White Lady

Die White Lady ist ein Cocktail-Klassiker, der in das Repertoire einer jeden guten Bar gehört. Im Grunde ein simpler Drink, der an einen Sour mit Likör statt Zucker erinnert. Die Entstehungsgeschichte ist auch ziemlich klar. Es war zweifelsohne Harry MacElhone – der Gründer der weltberühmten Harry’s New York Bar in Paris, der den Drink über Jahre hin entwickelte und perfektionierte. Doch bei meiner Recherche zu den Ursprüngen des Cocktails sind mir gewisse Unregelmäßigkeiten aufgefallen. Wie war das nochmal mit der Pfefferminz-Lady?

White Lady Rezept:

5 cl Gin

2,5 cl Cointreau

2,5 cl Zitronensaft

Alle Zutaten kräftig shaken und in ein vorgekühltes Cocktailglas geben. Optional um ein Eiweiß erweitern.

Harry und seine Cocktail-Kreationen

Endlich mal ein Cocktail, der eindeutig Harry MacElhone zugeordnet werden kann. Das ist leider nicht bei allen Cocktails so, die den Anspruch haben, vom schottischen Großmeister und Vater der Harry’s New York Bar in Paris erfunden worden zu sein. Es gibt einige berühmte Drinks, die auf Harrys Kappe gehen sollen: Boulevardier, Bloody Mary, French 75 oder Sidecar. Aber es ist zuweilen schwierig, dass auch nachzuweisen. Nicht so bei der White Lady. So dachte ich zumindest vor dem Schreiben dieses Artikels.

Die Standard-Entstehungsgeschichte der White Lady

Nach langen Wanderjahren als Barkeeper durch Frankreich, die USA und dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs verschlug es Harry zurück nach Frankreich und schließlich nach Paris, wo er 1923 die New York Bar aufkaufte und zu seiner Harry’s New York Bar machte. Schon 1919 veröffentlicht er sein erstes Buch: ABC of Mixing Cocktails. Nun geht die Legende zur White Lady so, dass Harry den Drink schon 1919 in seine Rezeptsammlung aufgenommen hat. Und zwar wird der Cocktail zu dieser Zeit an vielen renommierten Stellen (Fachbücher und einflussreiche Blogs) als ein Mix zu gleichen Teilen von Cointreau, Crème de Menthe white und Zitronensaft beschrieben. Also die oben genannte Pfefferminz-Lady. Die Mischung aus zwei Likören und das Fehlen der Basisspirituose machen den Drink zu etwas ziemlich merkwürdigen. So sind sich dann auch die Fachautoren, Nachkommen von Harry (Harry’s Bar, Éditions de La Martinière SA, Paris, 2011) und Wikipedia einig, dass Harry wegen mangelnder Nachfrage das Rezept zehn Jahre später abänderte. Er ersetzte einfach den Pfefferminzlikör durch Gin und geboren war die White Lady, wie wir sie heute kennen. Soweit die Legende!

Wo bitte ist der Zitronensaft?

Bis hierhin ist das eine tolle Story. Der Bar-Meister Harry MacElhone greift mit einem Cocktail-Rezept auch mal daneben, verbessert sich und es wird ein Riesenerfolg. Jedoch konnte ich das Rezept der Zitronensaft-Pfefferminz-Mischung in keiner seiner Publikationen finden! Zugegeben. Mir fehlt die erste Ausgabe seines ABC of Mixing Cocktails von 1919. Aber an die ist auch einfach kein Rankommen. In der nächsten Ausgabe von 1923 lässt sich die White Lady finden. Aber!!! Nicht als Kombination von Cointreau, Crème de Menthe und Zitronensaft. 1/6 Brandy, 1/6 Crème de Menthe und 2/3 Cointreau sind hier als Rezept angegeben. Also kein Zitronensaft und kein Sour. Eher eine Art Stinger mit viel Cointreau.

Hat Harry MacElhone den Gin hinzugefügt?

Alles nicht so schlimm. Dann hat Harry halt 1929 das White Lady Rezept so verändert, wie wir es heute kennen. Hat er aber wiederum auch nicht getan. Im ABC of Mixing Cocktails von 1930 steht das White Lady Rezept unverändert wie vor sieben Jahren. Und jetzt kommt’s! Im Savoy Cocktail Book von Harry Craddock aus dem Jahr 1930 steht die White Lady exakt so, wie wir sie heute kennen. Da stellt sich mir die Frage, wer die White Lady wirklich zu dem gemacht hat, was heute tausende Barenthusiasten jeden Tag bestellen? Harry MacElhone hat sicher den Namen erfunden. Aber seine Version hat nichts mit dem zu tun, was seit 80 Jahren eine White Lady ist. Harry Craddock war der erste, der den Drink so dokumentiert hat. In einer weiteren Veröffentlichung (Cocktails by Jimmy late of Ciro’s London)  aus dem Jahre 1930 wird das Rezept immer noch nach den Angaben von Harry MacElhone weitergeführt.

Das Eiweiß

Angeblich war es Peter Dorelli; ehemaliger Head Bartender im Savoy Hotel, der der White Lady mit dem Zugeben von Eiweiß einen gewinnbringenden Twist gab. Das Eiweiß macht die White Lady geschmeidiger und gibt ihr eine herrliche Konsistenz.

Am Ende dieser Recherche bleiben wir wieder zurück mit noch mehr Fragen als zuvor. Ganz offensichtlich war es doch wieder nicht Harry MacElhone, der diesen Cocktail hervorbrachte. Viel mehr wohl nur den Namen. Es scheint wahrscheinlicher, dass Harry Craddock aus dem Savoy den Drink tatsächlich kreierte oder zumindest als erster so aufschrieb, wie er noch heute getrunken wird.

 

2 Comments

  1. Ein noch älteres Rezept findet man bei Robert Buckby & George Stone in „The Buckstone Book of Cocktails“ aus dem Jahr 1925. Dort wird unter der Nummer 333 der White Lady Cocktail aufgeführt, bestehend aus 1/3 Cointreau, 1/3 Zitronensaft und 1/3 Gin

  2. Alexander Pilz sagt:

    Vielen Dank Armin.
    Da kommen wir der Sache schon eher auf den Grund!

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