Holland Gin Cocktail 6cl Holland Gin (Genever passt hier super) 2 Dashes Absinth 2 Dashes Orange Bitters 2 Dashes Boonekamp

Fünf Cocktails, die kaum ein Barkeeper kennt

Bei meinen Recherchen zu den Ursprüngen einzelner Cocktails stoße ich immer wieder auf sehr ansprechende Rezepte aus den letzten Jahrhunderten. Leider haben viele dieser Drinks wenig bis gar keine Beachtung gefunden. Ich will fünf dieser Cocktails nun vorstellen.

Hot Locomotive

1 Eigelb

1 BL Zucker

3 cl Honig

9 cl Rotwein (Bordeaux funktioniert hier großartig)

1,5 cl Curacao

Alle Zutaten gut vermischen und erhitzen. Mit einer Zitronenscheibe und Zimt garnieren.

Der Name des ersten Cocktails ist Hot Locomotive und findet sich in Harry Johnson’s Bartender’s Manual von 1882. Johnson war der größte Kongruent von „Professor“ Jerry Thomas. Beide gelten als Wegbereiter der modernen Cocktailkultur. Der Cocktail ist schon alleine dadurch ungewöhnlich, dass er nicht kalt sondern warm serviert wird. Auch wenn das bei heutigen Trinkgewohnheiten etwas unappetitlich klingt, macht das Rezept, wenn man sich denn zum Trinken überwinden kann trotzdem Spaß. Schließlich sind Egg-Noggs auch sehr lecker.

Cleopatra Cocktail

3 cl Portwein

3 cl Cognac

2 cl Cointreau

2 cl Ananassaft

Alle Zutaten kräftig shaken und in das Gästeglas geben.

Die La Floridita in Havanna Bar ist eine der bekanntesten Bars der Welt. Während der Prohibition beliebtes Ausflugsziel für trockene Amerikaner. Sie wurde schon 1817 eröffnet. Dass die La Floridita Bar mehr kann als nur Daiquiris, zeigte uns Segundo Menendez. Er veröffentlichte 1934 das Buch Bar La FloridaCocktails mit vielen Rezepten – natürlich jede Menge für Daiquiris – aber auch faszinierende Eigenkreationen. Eine davon ist der Cleopatra Cocktail, der es schafft, einen Hauch Karibik mit den Spirituosen der alten Welt zu vermählen. Port Wein (einer der ältesten Weine Europas), Cognac und Cointreau treffen auf exotischen Ananassaft. Und das schon vor 80 Jahren.

Pink Rose Cocktail

1 Eiweiß

6 cl Gin

3 Dashes Grenadine (am besten echten Granatapfelsirup)

1 BL Zitronensaft

1 BL Sahne

Alle Zutaten kräftig shaken und in einen Tumbler abseihen.

Klassische Cocktails

Harry MacElhone ist einer der bekanntesten Barkeeper in Europa während des Golden Zeitalters der Cocktails. Als er 1919 im Londoner Ciro arbeitet, baut er seine Popularität durch die Veröffentlichung seines ersten Cocktailbuchs aus. Das Werk trägt den Titel Harry’s ABC of Mixing Cocktails. In ihm habe ich einen ganz bemerkenswerten Drink gefunden. Er vereint Sahne, Zitrussaft und Eiweiß. Das ist eine äußerst seltene Kombination, von der man eigentlich ausgehen muss, dass sie nicht funktioniert. Aber der Ramos Gin Fizz, der Morning Glory Cocktail oder eben der Pink Rose Cocktail von Harry zeigen, dass solche Kombinationen eben doch funktionieren können.

Holland Gin Cocktail

6 cl Holland Gin (Genever passt hier super)

2 Dashes Absinth

2 Dashes Orange Bitters

2 Dashes Boonekamp

Alle Zutaten gut verrühren und in ein Cocktailglas geben. Mit einer Zitronenzeste abspritzen und mit einer Cocktailkirsche garnieren.

Streng genommen ist der Holland Gin Cocktail von Carl A. Seutter aus dem Jahre 1909 nur ein Twist auf den Old Tom Gin Cocktail von Jerry Thomas. Der wurde nämlich schon 1862 in seinem Werk Bartender’s Guide veröffentlicht. Aber ich finde die kleine Änderung, die Seutter vornahm ganz spannend. Er verwendet Holland Gin – ich denke er meint Genever und das gibt dem Cocktail dann auch ordentlich Dampf. Dann fügt er noch etwas Boonekamp hinzu. Der verleiht dem Drink mit seiner extremen Kräuternote einen sehr interessanten Geschmack. Über Seutter ist leider wenig bekannt. Er hat in der American Bar des Centraltheaters in Leipzig gewirkt.

Lemonade a la Soyer

Zwei getrocknete Feigen halbieren und 15 Minuten in 250 ml Wasser köcheln lassen. Danach etwas Zitroenzesten und eine in Scheiben geschnittene Zitrone dazugeben und kurz weiter kochen. Danach alles abgedeckt abkühlen lassen. Wenn es kalt ist filtern und mit zwei Barlöffeln Honig mischen und abfüllen oder direkt servieren.
Das letzte Rezept habe ich in einem Werk von 1859 gefunden. Sein Name ist The Book of one Hundred Beverages von William Bernhard. Es ist kein reines Barbuch und behandelt auch nicht viele barrelevante Themen, enthält aber trotzdem einige interessante Rezepte. Der Anspruch von Bernhard in seinem Buch war es, Alternativen zu bekannten und oft getrunkenen Getränken zu bieten. Eines davon ist Lemonade a la Soyer. Eine relativ einfache aber doch kreative Feigen Limonade, die mit Honig gesüßt wird. Heute würde man die Limonade natürlich mit Sodawasser servieren.

 

 

Bildquelle: Flickr / Adrian Scottow

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