Shepheart Hotel Cairo

Kairo

Ein untypischer Tiki Cocktail – Der Suffering Bastard

Der Suffering Bastard ist gleich in zweierlei Hinsichten ein ganz spezieller Tiki Cocktail. Zum einen sind seine Zutaten nicht unbedingt das, was man bei einem Tiki Drink erwartet. Zum anderen hat der Cocktail seinen Ursprung nicht in der pazifischen Inselwelt oder wenigstens an der Küste Kaliforniens. Er entstand in Ägypten. Eines hat er aber mit vielen Tiki Klassikern gemein. Die Zeit, in der er entstand und in der er seine größte Popularität feierte. Er stammt aus den 1940er Jahren und wurde durch heimkehrende Soldaten auch in den USA schnell ein Topseller.

 

Alliierte Soldaten während des 2. Weltkriegs in Nordafrika

Die Mittagssonne knallt erbarmungslos auf die Köpfe derer, die ihre Arbeit nicht im Schatten verrichten können. Das Thermometer zeigt 50 Grad an. Die Männer rüsten ihre Fahrzeuge für den Marsch gen Westen und das unausweichliche Gefecht mit dem Feind. Sie ersetzen durch Hitze und Wüstensand verschlissene Teile, füllen Wasser- und Benzinkanister und erneuern ihre Munitionsreserven. Die Stimmung ist äußerst angespannt. Es geht gegen Rommel und seine tapferen Soldaten des deutschen Afrikakorps. Die stehen schon 100 Kilometer vor Kairo und scheinen unaufhaltsam. Die Alliierten sind 1942 kurz davor, den Afrikafeldzug gegen die Achsenmächte zu verlieren. Als die Männer mit ihren Vorbereitungen am Ende sind, bleiben zwei, drei Stunden bevor es endgültig in die Schlacht geht.

 

Wie haben diese braven Männer ihre letzten Mußestunden verbracht? Werden sie einen letzten anständigen Cocktail zu sich genommen haben? Um für einen kurzen Augenblick, die bevorstehenden Entbehrungen und Strapazen auszublenden.

 

Shepheard Hotel in Kairo – Geburtsort des Suffering Bastard

Einige der britischen Soldaten haben das im Jahre 1942 in Ägypten mit Gewissheit getan. Sie haben sich im Shepheard Hotel in Kairo auf einen letzten Drink vor dem großen Sturm getroffen. Dieses altehrwürdige Hotel, in dessen Mauern schon Napoleon sein Lager aufgeschlagen hat. Die Bar des Shepheard Hotels war zu dieser Zeit die Heimat von Joe Scialom. Er war ein vielgereister Barmann, der von 1937 bis 1952 in der Long Bar im Shepheard seinen Dienst versah. Er hat den Suffering Bastard ersonnen und ihn für viele alliierte Soldaten gemixt. Einige von ihnen haben den Drink dann wiederum mit in ihre Heimat genommen und das Fundament für einen Tiki Klassiker gelegt.

 

Joe Scialom und der Kater

Die oft zu findende Legende besagt, dass Joe Scialom zu Beginn seiner Schicht einen massiven Kater von der letzen Nacht davongetragen hat und diesen schleunigst mit einem Pick me up Drink bekämpfen musste. Dabei entstand die einfach zu trinkende aber anspruchsvolle Mischung aus Gin und Brandy, Bitters, Limette und Ginger Beer. Gerade weil sie so vorzüglich und rasch zu trinken ist, entfaltet sie äußerst schnell ihre Wirkung. Wahrscheinlich ist diese Legende nur ein Versuch, den martialischen Namen zu erklären. Demnach hieß der Drink ursprünglich Suffering Bar Steward. Weil diese Formulierung zu lang war, entstand daraus angeblich der Name Suffering Bastard.

 

Suffering Bastard Rezept

3 cl Gin

3 cl Brandy

2 cl Limettensaft (oder Rose’s Lime Juice)

2 Dashes Angostura

10 cl Ginger Beer

 

Alle Zutaten außer dem Ginger Beer kalt shaken. Dann in ein Longdrinkglas mit Eis geben und mit dem Ginger Beer auffüllen. Vorsichtig umrühren und mit einem Minzzweig und einer Orangenscheibe garnieren.

 

Es lassen sich auch Rezepte mit Bourbon statt Brandy finden. Eine Erklärung dafür könnte der Punkt sein, dass in Afrika südafrikanischer Brandy so gut zu erhalten war, wie Bourbon in den amerikanischen Tiki Bars der 50er und 60er Jahre. Das gleiche gilt für Rum. Der frische Limettensaft macht den Drink erfrischend und gibt ihm noch einen zusätzlichen Kniff. Rose’s Lime hingegen macht den Suffering Bastard noch gefälliger und einfacher zu trinken. Beide Varianten können schmecken.

Cocktail Box

Mach deine Cocktails selbst

Tiki Drink durch und durch

Es gibt auch einige Quellen, die Trader Vic oder sogar Don the Beachcomber als Urheber des Suffering Bastards angeben. Doch viel eindeutiger sind die Belege, die auf Joe Scialom verweisen. Der Bezug zu den Tiki Ikonen der ersten Stunde macht deutlich, wieso der Suffering Bastard zu dieser Ära zählt. Es sind nicht immer die Zutaten, die bestimmen, welcher Drink Tiki ist und welcher nicht. Der Princess Pride Cocktail von Trader Vic ist hierfür ein Beispiel. Der Drink ist so ziemlich das, was man sich unter einem klassischen Cocktail vorstellt. Eine große Menge Basisspirituose, Wermut und Doubonnet. Klingt gar nicht nach Tiki, oder?

Soldaten verwalten das flüssige Erbe

Doch der Suffering Bastard ist in vielerlei Hinsicht speziell. Nicht nur, dass seine Zutaten nicht so recht in das gängige Tiki Muster passen. Sondern auch, dass der Drink seinen Weg nicht über Erlebnissen, Anekdoten und Erinnerungen von GIs aus der Pazifik Schlacht hat. Denn vieles von alle dem, was Tiki ist, ist inspiriert von der Inselwelt des Pazifiks und angefacht durch die Erlebnisse der während des 2. Weltkriegs hier stationierten und kämpfenden Amerikaner. Der Suffering Bastard ist höchstwahrscheinlich der einzige Tiki Drink, der seinen Ursprung auf den Schlachtfeldern Nordafrikas hat. Hier haben ihn Briten und Amerikaner kennen gelernt und ihn dann im Frieden mit in ihre Heimat genommen.

 

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