Sherry und vor allem Sherry Cocktails werden an der Bar und in Restaurants ganz zu Unrecht stiefmütterlich behandelt. Der Wein aus Andalusien ist extrem facettenreich und bietet mit seinen unterschiedlichen Typen ein unerschöpfliches Portfolio an Geschmack. Pur ist er ein hervorragender Aperitif, als Manzanilla kann er ein ganzes Menü begleiten und ein Cream oder Pedro Ximénez krönt jedes Dessert. Aber auch in Cocktails macht er sich gut.

Bekannte Sherry Cocktails und ihre Rezepte

Entsprechend seiner geringen Popularität an der Bar ist es nicht sehr einfach, außergewöhnliche Rezepte mit Sherry zu finden. Als erstes findet man da überall die alten Bar-Klassiker wie den Cobbler, die Sangaree, die Egg Noggs oder den Flip. Will man dann etwas Spannenderes zu Tage fördern, muss man etwas tiefer in die Cocktailbücher  der letzten150 Jahre schauen.

 

Snow White & The Huntsman (Flush)

Im Jahr 2013 gewann Torsten Spuhn aus Erfurt die erste Made in GSA Competition. Gleich beide seiner Gewinner-Drinks konnten mit Sherry-Anteilen aufwarten. Torsten Spuhn ist sowieso dafür bekannt, fast jeden Wettbewerb zu gewinnen und meistens tut er das mit einer sehr guten Vorbereitung und nach einem Muster. Oft dabei Sherry und Tee. Hier einer seiner Sherry Cocktails.

Snow White & The Huntsman (Flush) Rezept

4 cl Monkey 47 Gin

2 cl Jägermeister

1 cl Merlet Crème de Mure Sauvage

2 cl Romate’s PX Sherry Old & Plus ( opt. Lustau East India Solera Sherry )

2 cl Ronnefeldt Earl Grey Tee

Alle Zutaten im Rührglas vermischen, in ein Gästeglas auf Eis geben, mit einer Orangenzeste abspritzen (diese dann nicht in den Drink geben) und mit einer Orangenspirale, Zimt und Sternanis garnieren.

 

Quarter-Deck Cocktail

Seit einigen Jahren findet man auf der einen oder anderen Barkarte einen Cocktail namens Quarterdeck. Seine erste schriftliche Fixierung geht auf das Jahr 1927 zurück. Harry MacElhone hat ihn in Barflies and Cocktails aufgelistet. Ein schönes, einfaches Rezept. Der Name erinnert sehr an den Poop Deck Cocktail von Harry Craddock aus dem Savoy Cocktail Book. Das Poop- und das Quarterdeck waren erhöhte Decks auf Segelschiffen und meist den Schiffsoffizieren vorbehalten. Von hier aus wurden, ganz offensichtlich mit einem guten Cocktail in der einen und dem Sextanten in der anderen Hand, die Arbeiten der Schiffsbesatzung überwacht. Leider gibt es keinerlei genaueren Angaben zu den Zutaten. Als Sherry würde ich einen Oloroso und beim Rum zum Beispiel einen Havana Club Seleccion de Maestros empfehlen.

Quarter-Deck Cocktail Rezept

6cl Rum

3cl Sherry

1 Barlöffel Limettensaft

Kräftig shaken und in ein Gästeglas geben.

 

Artist’s Cocktail

sherry-cocktail

Sherry Cocktail

Harry Craddock listet in seinem Savoy Cocktail Book von 1930 den Artist‘s Cocktail. Er trägt seinen Namen zu Ehren der Künstler und Artisten, die im Bal Bullier auftraten. Das Bal Bullier war von 1900 bis 1930 eine feste Größe für die Pariser Künstler-Bohème. Der Ballsaal lud am Wochenende nicht ausschließlich zum Tanz. Hier stellten Künstler und Artisten jeglicher Couleur ihr Können zur Schau.

Artist’s Cocktail Rezept

3cl Whisky

3cl Sherry

1,5cl Zitronensaft

1,5cl Groseille Sirup (Schwarze Johannisbeeren)

Alle Zutaten kräftig shaken und in ein Cocktailglas geben.

 

Rebujito

Zuletzt eine andalusische Variante seinen Sherry zu trinken. Viele Spanier aus der Herkunftsregion des Sherrys mixen ihn gerne auf Eis in einem Longdrinkglas mit einer Limonade. Der Drink heißt Rebujito. Besonders beliebt ist Zitronenlimonade als Filler. Genauso gut funktioniert auch Tonic Water. Ich finde Ginger Ale mit Sherry toll. Vielleicht nicht unbedingt einer der kreativsten Vertreter der Sherry Cocktails, aber weniger ist bekanntlich mehr.

Rebujito

6cl Sherry (Manzanilla)

Auf Eis in ein Longdrinkglas geben und mit der Limonade auffüllen. Orangen- oder Zirtonenscheibe als Garnitur.

 

Punch a la Romaine

Gerade für die richtige Zubereitung der alten oben genannten Klassiker lohnt sich ein Blick in Harry Johnson’s Bartender’s Manuel. Hier lassen sich viele klassiche Sherry Cocktails finden. Johnson war der größte Konkurrent von Cocktail-Urvater Jerry Thomas. Auch wenn Johnson erst 1882 sein erstes Werk zum Thema Bar veröffentlicht (immerhin 20 Jahre nach Thomas), hat es der fast reinen Rezeptaufzählung von Thomas einiges voraus. Er bespricht Themen wie Glasware, der richtige Umgang mit Eis, das angemessene Verhalten gegenüber den Gästen, das Fernhalten von Ungeziefer und nicht zuletzt das wirtschaftlich erfolgreiche Betreiben einer Bar. In diesem Werk habe ich eine sehr interessante Bowle mit einer gehörigen Portion Sherry gefunden.

Punch a la Romaine Rezept

0,56 Liter Jamaica Rum

0,56 Liter Sherry

260 Gramm Zucker

5 Zitronen

2 Orangen

5 Eier

Den Zucker (Menge im Originalrezept leider nicht angegeben – die 260 Gramm habe ich errechnet) im Saft der Früchte bei Zugabe einer Orangenzeste auflösen, filtern und in eine Punch-Bowle geben. Die Eiweiße in der Bowle schaumig schlagen. Die Bowle auf Eis kühlen und den Rum und Sherry dazugeben.

 

Titelbildquelle: Flickr / Kurman Communications

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