Scaffa Cocktails

Wer zumindest ein bisschen Ahnung von Spirituosen hat, weiß, dass ein edler Brand oder ein guter Likör am besten bei Zimmertemperatur genossen wird. Kombinieren wir allerdings zwei oder mehr erlesene Zutaten zu , sagen wir mal einem Cocktail, wird er stets eiskalt serviert. Meist assoziieren wir einen besonders kalten Drink sogar mit einer extrem hohen Qualität. Scaffa Cocktails sind alles andere als kalt. Warum das Sinn machen kann, erkläre ich hier.

Warum müssen Cocktails immer kalt sein?

Woran das liegt, wäre sicher mal interessant herauszufinden. Das soll aber nicht Thema dieses Beitrages sein. Vielleicht noch das zu dieser Frage: Ich würde vermuten, dass die Geilheit auf Eis an der Bar auf die anfängliche Knappheit zurück zu führen ist. Noch vor 150 Jahren war es etwas schwieriger als heute, gutes Eis in New Orleans zu bekommen. Auch blöd, wenn die Servicekräfte mal ein paar Minuten zu lange zum Servieren brauchen und der Drink semikalt ist. Sicher spielt auch Gewohnheit eine Rolle. Wer denkt schon an Genuss bei dem Gedanken an ein warmes Bier? Müsste man mal blind verkosten! Schmeckt gar nicht so schlecht.

Schlechter Barkeeper – langsamer Service?

Demnach denkt jeder bei lauwarmen oder schlecht gekühlten Drinks an einen miesen Barkeeper oder zumindest eine langsame Servicekraft. Zugegebener Maßen; ich auch! Aber das muss nicht so sein. Zurück zum Anfangsgedanken: Wenn wir einen geilen Cognac bei 18°Grad trinken – warum dann nicht auch einen Cocktail bei der Temperatur genießen? Das denken sich immer mehr Barleute und auf einigen Karten kann man sogar schon den ein oder anderen Cocktail mit Zimmertemperatur finden. Es liegt auch nahe. Denn Kälte lässt uns Aromen anders wahrnehmen. Bei extremer Kälte werden sogar die Rezeptoren im Mundraum vorübergehend lahmgelegt.

Scaffa Cocktails: Eigentlich ein alter Hut

Selbst Jerry Thomas hat 1862 schon normal temperierte Drinks serviert. Wie oben schon erläutert, lag das im 19. Jahrhundert auch noch näher als heute. Dabei fallen zwei Drink-Kategorien bei Thomas ins Auge. Die relativ bekannten Pousse Cafe Getränke, bei denen mehre Spirituosen übereinander geschichtet werden, ohne sie zu vermischen. Und die Scaffa Cocktails. Das erste Rezept der Scaffas besteht aus Brandy, Maraschino und Bitters. Einfach in einem Glas vermischt. Später tauchen Rezepte mit Curacao, Chatreuse oder Dom Bénédictine auf. Natürlich lassen sich auch bei Harry Johnson Scaffas finden. Sogar Tiki-Papst Trader Vic schreibt Ende der 1940er Jahre über die ungewöhnliche Kategorie. Sie wurde also nie so wirklich vergessen und erhält gerade in den letzten Jahren wieder mehr Aufmerksamkeit.

Das Scaffa Muster

Mehr oder weniger werden die alten Scaffas nach dem Muster aufgebaut: Spirituose, Likör, Bitters. Die Spirituosen sind Gin oder Brandy, die Liköre Maraschino, Curacao, Chatreuse oder Dom Bénédictine. In den letzten Jahren taucht oft Sherry als ergänzende Zutat auf. Auch Himbeersirup oder Pfirsichlikör sind eine passende Ergänzung.

Brandy Scaffa Rezept (Jerry Thomas)

3 cl Brandy
3 cl Maraschino
2 Dashes Bitters
Alle Zutaten ohne Eis rühren. Ohne Eis servieren.

 

Die Physik eines Drinks

Bei dem Thema spielt auch die Verwässerung eine große Rolle. Ein wenig Schmelzwasser macht einen Drink geschmeidig und angenehm. Ist der Cocktail etwas zu süß, gleicht Schmelzwasser das Missverhältnis aus. Aber die Kälte und das Wasser können schnell einen zu süßen Cocktail trinkbar machen. Und bei hochwertigen Zutaten stellt sich die Frage, ob Schmelzwasser nicht sogar fehl am Platz ist. Vielleicht ja nicht. Denn manchmal lohnen sich auch ein paar Tropfen Wasser auf eine gute pur getrunkene Spirituose. Andererseits kann ohne Wasser und Kälte ein ganz klarer Fokus auf die Zutaten gelegt werden.

Kälte und Schmelzwasser haben natürlich auch einen Einfluss auf die Konsistenz des Getränks. Die Textur verändert sich mit der Temperatur. Ziemlich spannend, was bei gleichen Zutaten aber unterschiedlicher Temperatur passiert. Dabei ergeben sich ganz klar spürbare Unterschiede. Ich habe das einfach mal ausprobiert. Die warme Variante des Drinks ist natürlich süßer aber auch komplexer und angenehmer im Mund. Die kalte Variante kann allerdings auch mit einem coolen Selbstverständnis und der Macht des Gewohnten überzeugen.
Ich bin gespannt, in wie weit das Thema in den nächsten Jahren eine Rolle spielen wird. Eine schöne Idee ist es in jedem Fall.

Abschließend ein modernes Scaffa Cocktail Rezept eines guten Freundes.

Spanish Scaffa von Dirk Willmer

5 cl Brandy
3 cl Oloroso Sherry
3 Dahes Bitters
Alle Zutaten ohne Eis in einem Rührglas vermischen. In ein Cocktailglas mit feingehackten gerösteten Honig-Salz-Mandeln am Glasrand geben.

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