Rob Roy Cocktail

Betrachtet man die Entstehung des Rob Roy Cocktails, wird oft der schottische Volksheld Rob Roy und die künstlerische Aufarbeitung und Huldigung seines Lebens als Ursprung genannt. Es ist auch richtig, den Cocktail und den schottischen Robin Hood mit einander in Verbindung zu bringen. Aber es gibt noch einen ganz anderen Ansatz, von dem aus man sich dem Rob Roy annähern kann. Ein Ansatz, der die Entstehung des Drinks noch besser verstehen lässt.

Schottischer Volksheld Robert Roy MacGregor

Entstanden ist der Rob Roy Cocktail im Waldorf Astoria Hotel anlässlich der Premiere der gleichnamigen Operette im Oktober 1894 in New York. Die Operette entlehnte ihren Stoff aus dem Roman vom schottischen Nationaldichter Sir Walter Scott. Scott und beschrieb das zweifelhafte Leben des rothaarigen Schotten (mit vollständigem Namen: Robert Roy MacGregor), der angeblich den Reichen nahm und den Armen gab. Er hatte hauptberuflich mit Rindern zu tun und konnte auch nicht von ihnen lassen, wenn sie ihm nicht gehörten. Er trieb sie, gleich ob die eigenen oder fremde über die versteckten Pfade und Pässe in den unzugänglichen Highlands. Böse Zungen würden ihn als Viehdieb bezeichnen. Nicht so aber die Schotten, die ihn wegen seiner Agitationen verehren. Zu ewigem Ruhm und wohl auch zur Ausblendung seiner überwiegend kriminellen Machenschaften verhalf ihm sein Aufbegehren gegen die englische Krone. Das beeindruckt Schotten noch heute sehr und lässt sie über einiges hinweg sehen.

Scotch in den USA

Doch wie war es möglich, dass Ende des 19. Jahrhunderts ein Scotch Cocktail in New York die Runde machte? Für uns ist diese Frage heute ein müdes Lächeln wert. Nicht so in den 1890er Jahren. Damals gab es in den USA nicht so selbstverständlich wie heute Scotch Whisky im Überfluss. Die großen schottischen Marken begannen etwa ab 1880 den Weltmarkt zu erobern. Somit führte sie ihr Weg auch in die USA. Was ohne Zweifel zu der Beliebtheit der schottischen Whiskys beitrug, war die zunehmenden Popularität des Golfsports in den Staaten. Somit war der Weg  für die erfolgreichen amerikanischen Mischgetränke mit schottischem Whisky geebnet. Der Hype ging sogar soweit, dass der Mamie Taylor Cocktail zum meist gefeierten Cocktail um die Jahrhundertwende in den USA wurde.
Noch einige Jahre zuvor, als sich die ersten Cocktail-Bücher ihren Weg in die Rückbuffets der Bars bahnten, war nicht an Scotch Whisky Cocktails zu denken gewesen. Viele der damals gelisteten Rezepte verlangten natürlich nach Whiskey. Aber eben nach dem amerikanischen Ableger überwiegend hergestellt aus Mais oder Roggen.

Rob Roy ohne Scotch?

Betrachtet man also die Entstehung des Rob Roy, ist es sehr interessant, welchen Einfluss die Verfügbarkeit der Zutaten auf die Zusammenstellung eines Getränks hat. Wäre die Operette einige Jahre zuvor aufgeführt worden, hätte es ganz sicher auch einen Rob Roy Cocktail gegeben. Nur hätte er dann keinen Scotch beinhaltet. In diesem Zusammenhang muss ich an den Japanese Cocktail denken. Anlässlich des Besuchs hochdekorierter Japaner hat Jerry Thomas diesen Cocktail kreiert. Allerdings ist an dem Japanese Cocktail nichts außer des Namens japanisch. Thomas hat lediglich Brandy, Oregat und Bitter’s gemixt. Das ähnliche Schicksal hätte den Rob Roy Cocktail ereilt, hätte es zu diesem Zeitpunkt noch keinen Scotch in den USA gegeben. Ein schottischer Cocktail ohne schottische Zutaten oder Bezug.

Verwandschaft zum Manhattan

Auffällig ist die große Ähnlichkeit des Rob Roys zum Manhattan Cocktail. Ähnlichkeit ist eigentlich schon fast untertrieben. Es liegt sehr nahe, dass der Barkeeper des Waldorf Astoria einfach den Manhattan insoweit änderte, dass er den amerikanischen Whiskey durch Scotch ersetzte. Warum auch nicht! Die Idee ist einfach und genial. Wer schon einmal einen Tegroni (Negroni mit Tequila statt Gin) getrunken hat, weiß, was ich meine!

Die richtige Mischung

Auch wenn der Rob Roy nie wirklich große Bekanntheit erlangte, findet er sich doch in vielen großen Bar Büchern. Die Mengenverhältnisse von Whisky und Wermut variieren oft. So nennt Harry MacElhone das Verhältnis von 2/3 Scotch zu 1/3 süßen Wermut, während Harry Craddock im Savoy Cocktail Book ein Verhältnis von 1:1 empfiehlt. Ich mag es etwas stärker und mixe den Drink wie Harry MacElhone. Als Whisky funktioniert Johnny Walker Black Label ziemlich gut. Ich habe auch schon mal einen Rob Roy mit einem Bruichladdich Octomore getrunken. Das war sehr spannend und empfehlenswert. Als Wermut eignet sich ein leichter Vertreter. Zum Beispiel macht sich La Quintinye Rouge gut. In vielen alten Rezepten wird Orange Bitter’s angegeben.

 

Rob Roy Rezept

5 cl Scotch Whisky
3 cl roter Wermut
2 Dash Orange Bitter’s

Alle Zutaten kalt rühren und in ein gekühltes Gästeglas geben. Mit einer Orangenzeste aromatisieren und mit einer Kirsche garnieren.

 

Titelbild: Flickr / John Mcsporran

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