Beim Negroni freue ich mich, endlich einen Cocktail vorstellen zu können, dessen Geschichte dokumentiert und unumstritten ist. Die Geschichte des Negroni ist schnell zu erzählen. Trotzdem; die kleine Anekdote und ihr Protagonist füllen sogar ein ganzes Buch.

Entstehungsgeschichte

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Florenz – Geburtsort des Negroni

Seinen Ursprung hat der Negroni in der Casino Bar in Florenz. Der Graf Camillo Negroni, ein Connaisseur der gerne und viel trank, Spieler und gleichzeitig erfolgreicher Geschäftsmann war und Casanova alle Ehre machte, bestellte bei seinem Bartender Fosco Scarselli den gewohnten Americano (ein immer noch und seit 130 Jahren beliebter italienischer Aperitif  aus Campari, Wermut und Soda, garniert mit einer Zitronenzeste) mit der kleinen Bitte, ihn heute etwas stärker als gewohnt zu trinken. Der Barkeeper ließ sich nicht lumpen und servierte den Americano ohne Soda aber mit Gin. Vielleicht geht die Idee mit dem Gin auch auf den Grafen zurück. Der war nämlich für sieben Jahre in den USA, England und Kanada auf der Suche nach seinem Glück. Das gelang ihm wohl auch ganz gut. Er besaß eine große Rinderfarm und wird an den amerikanischen und britischen Bars den einen oder anderen Gin-Drink genossen haben. Damit gilt Florenz als Geburtsort des Negroni. Die ganze Szene hat sich zwischen 1919 und 1920 abgespielt. Im dem Werk von Luca Picchi mit dem Titel Sulle tracce del conte ist das nachzulesen, was sich Barkeeper seit Jahrzehnten mündlich überliefern.

Negroni Varianten

Auch das Rezept lässt wenig Spielraum für Veränderungen im klassischen Sinne. Was sich hingegen bei dem Negroni ganz wunderbar machen lässt, ist das experimentieren mit neue Twists. In diesem Falle bietet sich das Austauschen der Basisspirituose an. Schon fast ein Klassiker in guten Bars ist dabei der Tegroni. Ein Negroni mit Tequlia statt Gin. Ich mag es oft noch etwas garstiger und ordere meinen Tegroni mit Mezcal. Was das klassische Mischverhältnis angeht, sind sich fast alle Barkeeper einig. Alle drei Zutaten: Gin, Campari und roter Wermut zu mehr oder weniger gleichen Teilen (eventuell den Campari etwas reduzieren) auf Eis kalt rühren, in einen Tumbler mit frischem Eis geben und mit einer Orangenzeste garnieren.

Zusammenspiel der Zutaten

Es gibt hierbei drei Stellschrauben, an denen der herkömmliche Negroni dem Geschmack des Genießenden durch Austauschen der Zutaten angepasst werden kann. Der Campari ist keine davon. Das haben viele Versuche gezeigt. Es gibt kein Substitut für den italienischen Bitterlikör. Was allerdings Spielraum lässt, ist das Mischungsverhältnis. Ich mag es zum Beispiel gerne, wenn der Negroni etwas mehr Dampf hat und gebe ihm etwas mehr Gin hinzu. Wer es leichter mag, erhöht den Anteil an Wermut. Dieser war ursprünglich der Wermut von Martini & Rossi. Aber heute schreit die Vielzahl an Wermut einfach danach, auch andere Produkte auszumixen. Das gleiche gilt für den Gin. Im Originalrezept ist die Rede von Dry Gin. Das muss heute nicht mehr so ernst genommen werden. Schließlich tun das die Ginproduzenten auch nicht mehr. Warum also nicht einen leichten Gin wie G’Vine, etwas weniger Campari und dazu einen fruchtig heiteren Belsazar Vermouth Red kombinieren? Wenn es mal besonders bitter werden soll, versucht doch mal Punt e Mes. Das ist ein sehr bitterer Wermut aus Italien. Den einfach statt des Martinis oder dem in vielen Bars gefeierten Antica Formula.

Cocktail Box

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Negroni Rezept

3cl Gin

3cl Campari

3cl Roter Wermut

Alle Zutaten im Rührglas vermixen und in einen Tumbler mit frischem Eis geben. Mit einer Orangenzeste garnieren.

 

Titelbildquelle: Flickr / Dan Cook Archived (dan-scape.co.uk)

2 Comments

  1. […] und 3cl roten Wermut vor. Das lässt Interpretationsmöglichkeiten, ob der Boulevardier in Richtung Negroni oder Manhatten geht. Aber für mich bleibt der Boulevardier dichter am Negroni. Schon weil […]

  2. […] Whisky Sour – Old Faishoned – Negroni – Gin Basil Smash – Rusty […]

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