Der Martini Cocktail gilt als der König der Mixgetränke. Oder zumindest als einer der ganz großen Klassiker. Warum ist dieser Cocktail über so lange Zeit erfolgreich? Wer hat ihn erfunden und wie wird ein richtiger Martini heutzutage zubereitet?

„Why don’t you get out of that wet coat and into a dry martini?“

Aus dem Film „The Major and the Minor“ (1942)

Es gibt viele Legenden die sich um die Entstehung des populären Drinks ranken. Am besten ist es, am Anfang dieser Erfolgsstory zu beginnen. Seinen Ursprung hat der Cocktail sehr wahrscheinlich in den USA der 1860er Jahre. Der Ur-Martini hieß zu der Zeit noch Martinez und hatte zusätzliche Ingredienzien zu  den heute verwendeten Gin und Wermut. Das erste Mal schriftliche Erwähnung findet er in Jerry Thomas Bartdender Guide von 1887:

Martinez Cocktail

1 Dash Bitters.

2 Dashes Maraschino.

3cl Old Tom Gin (gesüßter Gin).

6cl Wermut (italienischer Wermut).

Geschüttelt und auf Eis  mit einer viertel Zitronenscheibe  in einem großen Glas serviert.

Die frühe Entstehungsgeschichte

Auch wenn dieser Drink viel süßer und facettenreicher als der gegenwärtige Martini ist, haben sich ausgehend von diesem Ur-Martini die weiteren Varianten entwickelt. Schon zwanzig Jahre nach der ersten schriftlichen Fixierung ist das Rezept in anderen  Nachschlagewerken  ohne die süßen Bestandteile festgehalten. Der süße italienische Wermut durch trockenen französischen ersetzt. Als in den 1910er Jahren vermehrt Tiefkühlschränke in den Bars zum Einsatz kamen und die Drinks dementsprechend immer kälter wurden, war es möglich, den Anteil des Gins weiter zu erhöhen. Schon zu dieser Zeit galt der Cocktail als ein transparentes starkes Getränk.

Er wird immer stärker

Während der Prohibition (1920 – 1933) in den USA war Gin als schnell und billig herzustellende Spirituose in vielen Etablissements, Speak Easys und Bling Pigs die erste Wahl. Dementsprechend viele Martinis wurden in der Ära der Al Capones, Meyer-Lanskys  und Gatsbys getrunken.  Als die Herstellung und die Einfuhr von Alkohol wieder erlaubt und Gin eine der beliebtesten Spirituosen war, konnte kaum jemand auf den liebgewonnen Short-Drink verzichten. Die bessere Qualität der nun legal hergestellten Brände machte ein erneutes Heraufsetzten des Ginanteils möglich.

Winston Churchill etwa trank jetzt schon seinen Martini  (je nachdem, welcher Quelle man Glauben schenkt) gänzlich ohne Wermut oder höchstens in einem Verhältnis von zwölf Teilen Gin zu einem Teil Wermut. Dem populären Vorbild des Politikers folgten in den 30er und 40er Jahren viele weitere Prominente. Schriftsteller wie Hemingway oder H.L. Mencken, Politiker wie Gerald Ford und Filmschaffende wie Alfred Hitchcock oder Ray Milland trugen immer mehr zur Beliebtheit des Cocktails bei. Und alle tranken ihn trocken, wie als wollten sie mit einem starken Getränk ihre Männlichkeit unterstreichen. Sprichwörtlich setzte James Bond im Namen seiner Majestät dem Cocktail die Krone auf, indem er in fast jedem Film einen Martini trank. Jedoch trank der Geheimagent nach den Romanvorlagen von Ian Flemming gar keine Martinis sonder einen eigens kreierten Drink Namens Vesper.

Der Martini macht eine Pause

In der Zeit der Hippies in den 60er und 70er Jahren schwächelte der mondäne Drink der Dandies und Gentleman. Es war nicht mehr angesagt, das gleiche zu trinken, was Generationen und besonders die eigenen Eltern zuvor geliebt hatten. Außerdem ist ein Hippie mit einem feinen Cocktailglas in der Hand eine absurde Vorstellung.

Bunte 80er Jahre

In den 80er Jahren feierte der Martini sein Comeback. In einem ganz ungewohnten Gewand eroberte er jetzt auch die Herzen vieler Frauen. Er wurde plötzlich geflavored  mit allem, was die Bar hergab. Zum Glück ebbt dieser Trend, wenn auch sehr langsam, endlich ab. Nichtsdestoweniger hat uns dieser bunte Hype einige nennenswerte Cocktails wie den Cosmopolitan, den Appeltini oder den Hazelnut Martini beschert. Mittlerweile wird der Drink meistens wieder so getrunken, wie vor 80 Jahren. Trocken und stark – je nach Geschmack auch gänzlich ohne oder mit sehr sehr wenig Wermut. Ob dabei Gin oder Wodka die Basisspirituose bildet, bleibt jedem selbst überlassen. Genauso, ob der Martini geschüttelt oder gerührt wird. Auch bei der Garnitur bleibt die Wahl zwischen Olive oder Zitronenzeste.

Wer heute einen Martini bestellt, sollte folgendes sehr kalt gerührt  in einem konisch zulaufenden Cocktailglas garniert mit zwei Oliven vorfinden.

Dry Martini

Martini Cocktail

Martini Rezept

6 cl London Dry Gin

1 cl Trockener Wermut

Vielleicht ist der Martini der König aller Cocktails, weil er seit fast 150 Jahren jede Generation auf seine eigene Art faszinierte und für sich einnahm. Der Martini war immer da und angesagt. Viele Berühmtheiten haben zu seiner Bekanntheit beigetragen und dafür gesorgt, dass er nie vergessen wird.  Das lässt sich abschließend auf jeden Fall festhalten. Der Martini ist der bekannteste und meist erwähnte Cocktail aller Zeiten.

„Happiness is finding two olives in your martini when you’re hungry“

Johnny Carson

Titelbildquelle: Flickr / aguamorta

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