Es gibt unzählige Erfindungsgeschichten und Anekdoten zur Margarita. Die meisten gehen zurück in die 1930er Jahre. Aber keine einzige kann sich auf eine schriftliche Quelle beziehen. Viele Stories ranken sich um junge Schönheiten, die von ihrem Barkeeper oder sonst wem auch immer umsorgt wurden. Irgendwie h

eißen sie alle Margarita oder so ähnlich und demnach wurde der Cocktail zu Ehren der jungen schönen Damen benannt. Leider sind es einfach zu viele Legenden, um sie hier zu nennen. Und außerdem klingen sie auch irgendwie alle gleich.

Zu schön, um wahr zu sein

In dem Buch The Curious Bartender von Tristan Stephenson habe ich dann endlich eine Erklärung zur Herkunft des Drinks gefunden, die mir gefiel. Er schreibt, es gibt die Margarita ohne jeden Zweifel erst seit den 1970er Jahren. Denn vorher wurde sie nie erwähnt. Leider ist das zu schön, um wahr zu sein. Es gibt einige Erwähnungen der Margarita vor den 70er Jahren. Die älteste Niederschrift, die etwas mit der Margarita zu tun hat, geht zurück auf das Jahr 1937. William Tarling nennt in seiner Rezeptsammlung für die UKBG einen Trink namens Picador. Der wurde genauso gemixt, wie heute die Margarita. 1 Teil Limettensaft, 1 Teil Cointreau und 2 Teile Tequila. Und laut William Grimes (Straight Up or On The Rocks: The Story oft he American Cocktail) gab es unzählige Personen, die sich daran erinnern konnten, schon in den 1930er Jahren Margaritas getrunken zu haben.

Entstehung der Margarita

Das macht auch Sinn, denn während der Prohibition (1920-1933) in den USA wurde nicht nur schwarz gebrannt, Rum auf Cuba getrunken und Whisky aus Kanada geschmuggelt. Auch Tequila aus Mexiko war beliebt. Was liegt da näher als ein Tequila-Sour mit Likörkomponente? Dann ist da auch noch die Frage nach dem Namen. Der bedeutet nämlich Gänseblümchen. Was wiederum Daisy auf Englisch heißt. Die Daisies sind eine Getränkegruppe, die es schon seit 1860 an der Bar gibt. Ist die Margarita also eine mexikanische Daisy?  Einige Barkeeper schlagen diese Brücke. Aber ich erinnere mich, dass die Daisy auf gestoßenem oder „shaved“ Eis zubereitet und mit Soda aufgefüllt wird. Also alles andere als eine Margarita. Es ist nur der Name, den die beiden lieblichen Drinks gemein haben.

Also dass der Drink erst in den 1970er Jahren entstand, ist wohl falsch. Aber mit Sicherheit sagen, wann genau der Cocktail wo das Licht der Welt erblickt hat, kann wohl niemand. Denn selbst die Legendenerzähler und Margarita-Geburtshelfer sind mittlerweile nicht mehr unter uns. Es muss irgendwann zwischen 1920 und 1940 im Grenzgebiet zwischen Mexiko und den USA gewesen sein. Heute jedenfalls ist die Margarita ein absoluter Barklassiker und Tequila zählt auch mittlerweile in Deutschland zu den Standartspirituosen an der Bar.

Salzrand? Blanco oder Reposado?

Wie so viele andere Barklassiker besticht die Margarita durch ihre Einfachheit und kann auf der anderen Seite mit einer geschmacklichen Vielfalt aufwarten, die weit mehr ist, als die Summe ihrer Bestandteile. Ich bin ein Fan des umstrittenen Salzrands

Margarita

. Das Slaz unterstützt den Tequila auf kongeniale Weise. Aber am liebsten mag ich es schön grob in großen Kristallen. Optional bietet sich das Vorbereiten des halben Glasrandes an. Dann hat der Gast die Wahl, ob er den Cocktail mit oder ohne Salz mag. Was den Tequila angeht, liebe ich es, wenn der erfrischende Cocktail mit einem jungen fruchtigen Blanco Tequila gemixt wird.

Margarita Rezept

5cl Blanco Tequila

2,5cl Triple Sec

2cl Limettensaft

Alle Zutaten kräftig shaken und in eine Margarita-Schale mit Salzrand abseihen.

 

Um die Ehre von Tristan Stephenson zu retten hier sein sehr kreativer Twist auf die Margarita.

Cured Margarita

4cl Anejo Tequila

2cl Pierre Ferrand Dry Curacao

1cl Limettensaft

0,5cl Zuckersirup

1cl Lime Shrub

Alles kräftig shaken und in das Gästeglas abseihen.

Lime Shrub:

150gr. Limettenzesten, 5gr. Salz und 40cl Sherry-Essig drei Stunden bei 60°C im Sous-Vide-Verfahren (klappt auch ohne, dann die Ziehzeit einfach verlängern) ziehen lassen, durch ein Feinsieb geben und in eine Flasche abfüllen.

 

Titelbildquelle: Flickr / Twigg’s & me

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