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Der Manhattan zählt zusammen mit dem Martini, dem Negroni oder dem Old Faishioned zu den ganz großen Cocktail-Klassikern an der Bar. Er ist der bekannteste der nach New Yorker Stadtteilen benannte Drinks. Wie bei so vielen anderen großen Cocktails liegt seine Entstehungsgeschichte im Dunklen. Aber dafür lassen seine Stadtteilbrüder und –Schwestern für Spekulationen etwas mehr Platz.

Der Cocktail benannt nach der Insel zwischen Hudson und East River ist der erste Drink, an den man denkt, wenn es um die Bezirke von New York geht. Es ist ja auch der bekannteste Stadtteil überhaupt. Und genauso ist auch der Manhattan Cocktail der bekannteste der nach den fünf boroughs (Bezirke) benannten Drinks. Diese fünf „Bezirke“ sind Manhattan, Bronx, Queens, Brooklyn und Staten Island.

Der Manhattan – Geschichte

Schon zu Beginn der 1880er Jahre taucht der Manhattan auf. Es kursiert die Entstehungsgeschichte, der Cocktail hätte 1874 im Manhattan Club anlässlich einer Feier von Lady Randolph Churchill das Licht der Welt erblickt. Das kann aber leider nicht sein, denn zu diesem Zeitpunkt war die Mutter von Winston Churchill in England. Das war nur die populärste aller Anekdoten zur Entstehung des Manhattan. Es gibt noch einige weitere, deren Wahrheitsgehalt sich aber heute nicht mehr prüfen lässt. Fest steht, das Rezept wurde 1884 das erste Mal von O.H. Byron in seinem Buch The Modern Bartenders‘ Guide veröffentlicht. Ganz spannend dabei ist die Auflistung zwei verschiedener Manhattan-Varianten. Die eine ist das, was wir heute als Dry Manhattan (Whiskey und trockener Wermut) bezeichnen würden, ergänzt durch drei Dashes Zuckersirup. Die zweite Variante entspricht den heutigen Vorstellungen eines Manhattans, verfeinert mit zwei Dashes Curacao. Die Frage nach dem Whiskey war vor 130 Jahren nicht so relevant wie heute. Damals gab es in den USA fast ausschließlich Rye Whiskey. Der Missbrauch von Canadian Whisky, der den schwererhältlichen Rye während der Prohibition ersetzen musste, war zu dieser Zeit noch keine Option.

Manhattan

Manhattan

Manhattan Rezept

5cl Rye Whiskey

3cl Roter Wermut

3 Dashes Angostura

Alle Zutaten kalt rühren und in ein Gästeglas geben. Mit einer Cocktailkirsche garnieren.

 

Bronx

Der Bronx Cocktail ist wahrscheinlich nach dem Manhattan der älteste Cocktail, der nach einem Bezirk in New York benannt ist. Er soll 1906 von Jahnny Solon im Waldorf Astoria erfunden worden sein. Er ist einer der ersten Cocktails, die Fruchtsaft enthalten (mal abgesehen von Zitronen- oder Limettensaft). Der Drink ist durch den Einsatz von Orangensaft bedeutend leichter als andere Vertreter aus der gleichen Zeit. Stellten doch bis in die 1930er Jahre starke und bittere Drinks die Masse der bestellten Cocktails dar. Einen großen Auftritt hatte der Cocktail im The Great Gatsby von Scott F. Fitzgerald.

Bronx Rezept

4cl Gin

2cl Roter Wermut

2cl Weißer Wermut

2cl Orangensaft

Alle Zutaten gut shaken und in ein Gästeglas geben.

Brooklyn

Es fällt mir immer schwer, zu glauben, dass ein ganz bestimmter Barkeeper einen Cocktail erfunden hat. Es gibt sicher Ausnahmen. Dass zum Beispiel der Gin Basil Smash von Jörg Meyer kreiert wurde, steht außer Frage. Aber werden die Cocktails älter als 60 Jahre, fällt die Zuordnung oft schwer. Deswegen möchte ich nicht sagen, dass Harry MacElhone den Brooklyn Cocktail erfunden hat. Aber ich muss ihm nach meiner Recherche zugestehen, dass er der erste war, der den Cocktail 1923 in seinem Büchlein Harry of Ciro’s ABC of Mixing Cocktails veröffentlicht hat. Ich kann mich auch irren und ein anderer Bartender oder Buchautor war vor ihm schneller. Aber ich konnte nach Sichtung von mehr als 20 Barbüchern von vor 1923 keinen Hinweis auf den Cocktail finden. Er wird den Drink ziemlich sicher aus seiner Zeit in New York mitgebracht haben. Als er das Rezept 1923 das erste Mal listet, verwendet er noch Rye Whiskey. Drei Jahre später, wird dieser prohibitionsbedingt durch Canadian Club ersetzt.  Wenn Harry der Vater des Brooklyns ist, wäre es ein weiterer Cocktail, dem nachgesagt wird, der von ihm in seiner New York Bar in Paris erfunden wurde.

Brooklyn Rezept

4cl Rye Whiskey

2cl weißer Wermut

2 dash Amer Picon

2 dash Maraschino

Queens

Auch der Queens Cockail lässt sich schon 1923 in Harry of Ciro’s ABC of Mixing Cocktails  finden. Hier stellt sich wieder die Frage, welche Rolle Harry bei der Erfindung oder zumindest bei der Etablierung des Cocktails hatte. Im Rezept von 1923 ist nicht die Rede von Ananassaft, wie es heute oft zu lesen ist. Harry fordert einfach nur die Zugabe eines Stücks Ananas in den Drink. Aber zwei cl guten Ananassafts haben sicher die gleiche Wirkung.

Queens Rezept

4cl Gin

2cl Roter Wermut

2cl Weißer Wermut

2cl Ananassaft

Alle Zutaten gut shaken und in ein Gästeglas geben.

Staten Island

Zu guter Letzt ein Cocktail, der außer der Verwandtschaft im Namen kaum eine Gemeinsamkeit mit den vorher genannten Drinks aufweist. Er scheint nicht einmal eine Historie aufzuweisen. Vielleicht ist der Staten Island Cocktail nur der Versuch, die fünf Bezirke vollständig mit einem Signature-Drink auszustatten. Leider ist das Rezept nicht besonders innovativ. Aber der Vollständigkeit halber:

Staten Island Rezept

6cl Malibu

6cl Ananassaft

Beide Zutaten in einem Longdrinkglas auf Eis servieren.
Titelbildquelle: Flickr / Tom Hilton

2 Comments

  1. […] Wermut vor. Das lässt Interpretationsmöglichkeiten, ob der Boulevardier in Richtung Negroni oder Manhatten geht. Aber für mich bleibt der Boulevardier dichter am Negroni. Schon weil MacElhone das Rezept […]

  2. […] – Hanky Panky – Sidecar – Espresso Martini – Vieux Carré – Last Word – Manhattan […]

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