Ich habe mich gerade erst mit einem Fachkollegen über die Wichtigkeit von Ginger Beer an der Bar unterhalten. Noch vor sieben oder acht Jahren wurde die Ingwerlimonade von einigen weniger experimentierfreudigen Barkeepern als Trend abgetan. Ein kleiner Hype, der bald wieder vorbei ist und bei dem es sich nicht lohnt, mitzumachen. Doch der aufgeklärte Barmann von heute weiß, Ginger Beer war kein Trend und auch gar nicht so neu und exotisch, wie ich und andere Barkeeper anfangs dachten.

Der alte Hut

Mittlerweile wissen wir alle, dass es den Moscow Mule schon seit gut 80 Jahren gibt und dass der Dark’n Stormy noch älter ist. Aber es gibt noch zwei tolle Drinks mit Ginger Beer, die oft in Vergessenheit geraten. Der eine wird vielen bekannt sein: der London Bug (Gin, Ginger Beer und Limettensaft). Aber es gibt noch einen vierten im Bunde, den kaum jemand auf dem Schirm hat. Dabei ist er für mich eigentlich der schönste dieser sehr ähnlichen Drinks. Das Mixgerüst ist bei ihnen allen gleich. Basisspirituose, Limettensaft und Ginger Beer (Ginger Ale). Der am wenigsten Bekannteste der vier ist deswegen mein Liebling, weil er mit Whisky gemixt wird. Der Name ist Mamie Taylor.

Mamie Taylor Rezept:

6 cl Scotch

2 cl Limettensaft

In ein Highballglas mit Eis geben und mit Ginger Beer auffüllen. Kurz um rühren und mit einem Stück Limette garnieren.

Die Namensgeberin

Der Name geht auf eine Schauspielerin mit dem Namen Mamie Taylor zurück. Sie war um 1900 eine berühmte Schauspielerin am Broadway und überzeugt mit zum Teil sehr komischen Aufführungen und Varieté-Auftritten. Es gibt sogar Geschichten, nach denen die Schauspielerin selbst eine Rolle in der Entdeckung des Mixes aus Limettensaft, Whisky und der Ingwerlimonade spielt.

Falsch verstanden ?

Bei dieser Entstehungsgeschichte hat mal wieder ein Barkeeper etwas falsch verstanden und aus Versehen die Kombination serviert, die kurz danach die ganzen USA eroberte. Es gibt viele Stories, bei denen es Missverständnis zur Entdeckung eines neuen Drinks führt. Ob diese Geschichte wahr ist, kann heute niemand mehr sagen.

Der nach der Schauspielerin Mamie Taylor benannte Highball (der Drink mit dem Filler auf Eis ist ja nicht wirklich ein Cocktail – wo auch immer da die Grenzen sind) mauserte sich schließlich zum populärsten Drink an den Bars der USA. Das kann man sich heute 110 Jahre später gar nicht mehr vorstellen. Immerhin habe ich von dem Drink noch nicht viel gehört oder ihn auf irgendeiner Cocktail-Karte oder in einem Cocktailbuch gefunden.

Klassische Cocktails

Kurzer Ruhm für Mamie Taylor

Der Ruhm des landesbeherrschenden Drinks war allerdings schnell wieder vorbei. Übrigens auch der Ruhm der echten Mamie Taylor währte nicht besonders lange. Sie geriet wie der Drink selbst schnell in Vergessenheit.

Spätestens 4 Jahre nach dem ersten Mamie Taylor, der 1899 ausgeschenkt wurde, war der Spuk vorbei. Und 17 Jahre danach waren Drinks mit Whisky während der Prohibition sowieso schwer zu bekommen. Ab 1920 waren in den USA einfach zu produzierende Spirituosen mehr gefragt. Sie waren besser als Schmuggelware geeignet. Somit ist der Drink dann endgültig verschwunden. Ted Haigh ist es zu verdanken, dass wir uns heute an den Mamie Taylor erinnern.

Und somit schließt sich der Kreis. Wir Barkeeper von heute sind ständig auf der Suche nach neuen Methoden, bekannte Produkte zu kombinieren und stoßen dann auf alte Rezepte, die uns das Naheliegende präsentieren. So muss es auch in den 1940er Jahren gewesen sein, als John G. Martin von Smirnoff nach einer Möglichkeit suchte, seinen Wodka nach vorne zu bringen. Ich kann mir gut vorstellen, dass er da auch an Mamie Taylor denken musste. Heute gehen wir den Weg anders herum. Wir kennen den Moscow Mule und entdecken den Mamie Taylor.

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