Vintage Madeira

Madeira Wein

Einmal mehr lohnt es sich, als Barkeeper und Trendsetter über den großen Teich zu schauen. Oder doch zumindest über den Kanal nach Großbritannien zu schielen. Die Amerikaner geben schon von jeher den Ton in der Barwelt an und die Briten haben einfach einen sehr guten Geschmack. Deswegen wundert es auch nicht, dass in amerikanischen und vor allem britischen Bars der Madeira eine bedeutende Rolle spielt. Es wird Zeit, dass wir uns mehr mit dem edlen Stoff von der Atlantikinsel auseinandersetzen.

Der Weinanbau und internationaler Handel auf Madeira

 

Madeira, die einstmals schon in der Antike besiedelte Insel, wurde 1419 von den Portugiesen wieder entdeckt und erschlossen. Die machten sich unter anderem sofort daran, Wein zu pflanzen und zu kultivieren. Die Engländer erkannten schnell die strategisch günstige Lage der Insel im Atlantik und sicherten sich Privilegien im Weinhandel. Das ist einer der Gründe dafür, dass heute Madeira Weine an britischen Bars präsent sind.

Die Geburtsstunde des Madeira Wein

 

Einmal mehr soll der Zufall die Geburtsstunde einer großen flüssigen Ikone sein. So ganz mag ich das nicht glauben. Zuerst die Legende. Demnach haben britische Seeleute zu Anfang des 18. Jahrhunderts die Wein zum Handel nach Indien verschifft. Weder der Besteller noch sonst ein anderer Weinliebhaber ließen sich ausfindig machen. Somit ging der Wein wieder auf die lange Reise zurück nach Madeira. Klingt für mich ziemlich unwahrscheinlich aber so wird es erzählt. Zurück auf der Insel stellten die Weinhändler fest, dass sich der Wein während der langen Reise sehr zum Positiven verändert hat. Die großen Temperaturen, die ständige Bewegung und die Zeit haben dem Wein eine volle Struktur, ein intensives Bukett und einen vielfältigen Geschmack verliehen.

Der gezielte Ausbau des Madeira um 1750

 

Nun erkannten die Händler das Potential der heimischen Weine. Sie begannen damit, die Weine gezielt auf langen Seereisen reifen zu lassen. Bevor die Fässer auf die Schiffe verladen wurden, wurde die Gärung mit Weingeist oder Brandy gestoppt. Dieser Prozess ist vergleichbar mit der Herstellung von Sherry oder Portwein. Am Ende der langen Schiffsreisen wurde die Weine von Madeira oft in England und Amerika gehandelt.

 

Schon vor mehr als 200 Jahren kam ein cleverer Weinhändler auf die Idee, den aufwendigen und riskanten Alterungsprozess von den Schiffen aufs Land zu verlegen. Er beheizte seinen Weinkeller und erreichte so Temperaturen von  bis zu 50°C. Die Methode setzte sich durch und wird noch heute angewandt, um die Alterung der Weine einzuleiten. Die Weine verbleiben dabei bis zu einem halben Jahr in den beheizten Kellern, bevor sie in normale Fässer (z.B. französische Eichenfässer) gefüllt werden. Die Mindestlagerdauer für Madeiras beträgt fünf Jahre. Ähnlich wie bei Portwein können gute Vintage Weine bis zu 50 Jahre reifen. Ein guter Wein lässt sich nahezu unendlich lange in der Flasche lagern. Es gibt Madeira, die selbst noch nach 100 Jahre  große Freude machen. Nicht zuletzt hier lassen sich große Parallelen zum portugiesischen Bruder vom Festland, dem Portwein, erkennen.

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Niedergang und Wiedergeburt des Weins von Madeira

 

Nachdem auch Madeira im 19. Jahrhundert nicht von der Mehltau- Reblausplage verschont blieb und einen großen Teil seiner Reben verlor, pflanzten die Bauern robustere Weinsorten. Das hatte eine mindere Qualität der Weine zur Folge. Der Madeira Wein verlor stark an Bedeutung. Seit etwa zwanzig Jahren werden wieder verstärkt die alten Rebsorten angebaut. Die fünf edelsten sind: Terrantez, Verdelho,Malvasia, Boal und Sercial. Sie machen zusammen lediglich ein Fünftel der gesamten Produktion aus. Der große Rest stammt aus der Tinta Negra Traube. Sie ist robust und nicht ganz so edle wie die anderen vier.

Nachdem die Qualität also im 20. Jahrhundert stark abgenommen hat, befindet sich der Madeira seit einigen Jahren wieder auf einem guten Weg. Durchaus ein Grund, den Wein zu probieren und ihn in einem Cocktail zu veredeln.

 

Titelbild: Flickr / Lucy Harper

2 Comments

  1. […] die beiden in Sachen Qualität mächtig auf. Ein triftiger Grund, sich ausführlich mit Marsala und Madeira zu beschäftigen. Heute soll es um den italienischen Marsala […]

  2. […] Madeira hat in den letzten Jahren eine selten gute Qualität erreicht. Nach der Reblaus- und Mehltauplage hat sich das Anbaugebiet nicht mehr erholen können. Die Qualität des Weines nahm stark ab. Doch seit 20 Jahren investieren die Weinbauern auf der Atlantikinsel wieder viel Energie, Können und Wissen in die Verbesserung ihres Produkts. Sie pflanzen alte Rebsorten und verbessern den Ausbau der Weine. Die Bemühungen haben Erfolg. Madeira hat wieder eine beeindruckende Güte erreicht. Deswegen ist es an der Zeit, das Potential des edlen Weines auch im Cocktail zu entfalten. Fünf Vorschläge für Cocktails mit Madeira. […]

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