Gin, Maraschino, Chratreuse, Lime

Last Word Cocktail

Wer den Last Word einmal getrunken hat, vergisst ihn nicht mehr! Zu speziell ist die Zusammensetzung der Zutaten. Zu stark die Wirkung auf das zentrale Nervensystem. Man kann sich sicher sein, nach einem Last Word fängt der Abend entweder erst richtig an oder endet ganz schnell. Je nach dem, wie viel schon vorher ging. Zudem enthält der Cocktail eine gute Menge Chartreuse grün. Chartreuse grün hat für uns Barkeeper den gleichen Stellenwert, wie Kobe-Rindfleisch für den Feinschmecker. Ein Wunder also, dass der Last Word trotzdem für mehr als 50 Jahre vergessen wurde.

Barlegende Murray Stenson

Wiedergefunden hat den Last Word Murray Stenson aus Seattle. Der sympathische und zurückhaltende Barmann gilt als einer der Katalysatoren der internetgetriebenen Cocktail-Wiederentdeckung Anfang des neuen Jahrtausends. Der mittlerweile 68 Jährige Barkeeper mixt noch immer sieben Tage die Woche für seine Gäste. Als 2004 die Cocktail Renaissance in den USA richtig Fahrt aufnahm und immer mehr alte unbekannte Cocktails aus der großen Schatzkiste der vergessenen Drinks gekramt wurden, war auch Stenson auf der Suche nach unbekannten Rezepten. Ihm fiel dabei das Cocktailbuch Bottoms Up! von Ted Saucier in die Hände. Hier spürte er den Last Word auf.

 

Bottoms Up! von Ted Saucier

Bottoms Up! erschien 1951 und enthält gut 200 Cocktail Rezepte. Der Autor war für mehr als 40 Jahre der verantwortliche für die Pressearbeit im Waldorf Astoria Hotel. Saucier gibt uns neben dem Rezept zum Drink einigen Stoff zum Spekulieren. Erfunden hat den Drink ein gewisser Frank Forty im Detroit Athletic Club. Doch Bottoms Up! ist die einzige Quelle, die wir zum Ursprung des Cocktails befragen können. Also müssen wir dem Pressesprecher des Waldorf Astoria Glauben schenken und wissen von ihm, dass der Last Word ein Cocktail der 1920er Jahre ist. Frank Forty wird den Drink sehr wahrscheinlich im Verborgenen gemixt haben. Die Prohibition in den USA ließ ihm keine andere Wahl.

 

Der Last Word ist damit ein Cocktail, der es geschafft hat, zwei Mal in der Zeit seiner Existenz zu verschwinden. Zuerst gemixt wurde er sehr wahrscheinlich in den 1920er Jahren. Doch danach verliert sich seine Spur sofort wieder. Erst 1951 taucht er kurz wieder auf, als ihn Ted Saucier einen Platz in Bottoms Up! gibt. Erst mehr als 50 Jahre später erscheint er wieder auf der Bühne der gemixten Drinks und entzückt seit dem sein dankbares Publikum. Ein weiteres Mal wird er wohl kaum in Vergessenheit geraten. Zu sehr lieben die Barkeeper und Barflies den Last Word Cocktail.

 

Last Word Cocktail Rezept

2 cl Gin

2 cl Maraschino

2 cl Chartreuse grün

2 cl Limettensaft

Alle Zutaten kräftig shaken. Danach in ein gekühltes Cocktailglas geben.Garnitur: keine.

 

Cocktail Box

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Ungewöhnliches Mischungsverhältnis

Ted Saucier gibt alle Zutaten zu gleichen Teilen an. Das funktioniert auch und lässt sich gut trinken. Allerdings bevorzuge ich den Last Word mit 3 cl Gin. Dafür lasse ich alle anderen Zutaten auf 2 cl. Überraschenderweise halten sich die verhältnismäßig großen Mengen an Chartreuse und Maraschino in der Verbindung mit Limette und Gin dezent zurück. Das ist selten so. Für gewöhnlich würden 2 cl Chartreuse jeden Cocktail dominieren und den Trinker durch die Aromatik unwiderruflich an seinen letzten Krankenhausbesuch denken lassen. Nicht so im Last Word. Wieder einmal ein Beweis dafür, dass Zutaten, die vermeintlich nicht zusammen passen wollen, doch einen groartigen Drink ergeben.

 

Wer Mezcal mag, mixt den Last Word mit dem rauchigen Agavendestillat statt des Gins. Sehr empfehlenswert!

1 Comment

  1. […] Hanky Panky – Sidecar – Espresso Martini – Vieux Carré – Last Word – […]

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