Korn Getränk

Korn Schnaps

Korn

 

Korn ist in. Der deutsche Getreidebrand gefällt immer mehr geschmacks bewussten Spirituosenliebhabern. Korn ist angesagt und wird in naher Zukunft noch einige Wellen schlagen. Dabei war Korn nie wirklich abgemeldet. Als eine der meist getrunkenen Spirituosen im Lande flog er in seinem biederen Gewand einfach nur unter unserem hipen Radar. Nicht ganz verwunderlich bei den meist einfallslosen Abfüllungen der Vergangenheit. Doch jetzt kommt ordentlich Schwung in die Kategorie. Auch die alteingesessenen Platzhirsche arbeiten an ihrem Image und vor allem an ihren Qualitäten.

 

Was in den letzten 500 Jahren geschah.

Der Kornbrand zählt zu den ältesten Spirituosen in Deutschland. Vor allem in Norddeutschland und speziell dort, wo viel Getreide angebaut wurde, wurde auch Korn gebrannt. Eines dieser Kornbrandzentren war schon zu Beginn des 16. Jahrhunderts Nordhausen am Südharz. Die erste Erwähnung der Destillation von Kornbrand datiert auf das Jahr 1507. Andere Gebiete, in denen sich besonders viele Destillerien niederließen sind Niedersachsen, Westfalen und die Gegenden um das Ruhrgebiet.

 

Die Kartoffel macht dem Korn zu schaffen

Bis ins Jahr 1820 ist die Kornwelt abgesehen von einigen kleinen überstandenen Krisen noch in Ordnung. Doch dann erlassen die Preußen, in deren Territorium sich die meisten Korndestillerien befinden, einen neuen Erlass, der Schnaps aus Kartoffeln defacto weniger stark besteuert. Viele Kornbrennereien kämpfen ums Überleben. Die meisten verhindern ihren Ruin durch das Brennen von Kartoffelschnaps. Die Kornproduktion sinkt in dieser Zeit fast auf ein Zehntel. 1909 fällt die benachteiligende Steuer weg. Im gleichen Jahr wird ein Reinheitsgebot für Korn formuliert.

 

Nachkriegszeit – Blütezeit

Die Zeit von Beginn des Ersten bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges setzt der Kornindustrie gehörig zu. Sie leidet und kann sich erst in den 1950er Jahren richtig erholen. Gerade im Nachkriegsdeutschland ist ein einfacher, schnell herzustellender Brand gefragt. Die 1960er Jahre ist die golden Zeit für den Korn. Nie wieder ist seine Popularität so groß wie zur Wirtschaftswunderzeit. Mit steigendem Wohlstand steigen bei vielen Deutschen auch die Ansprüche an ihre Spirituosen. Und so wird der Korn mit seinen einfachen Qualitäten und dem günstigen Preis zur Spirituose, die zwar getrunken aber selten genossen wird.

 

Korn und sein angestaubtes Image

Abgesehen von “Born for Korn” Parties der Agrarwirtschaft Fachschaft und üppigen Osterfeuern in Mecklenburg ist Korn für junge Menschen in Deutschland in den letzten Jahren ziemlich in die Peripherie gerückt. Zum Glück ändert sich das gerade.

 

Korn nach vorn!

Es sind überwiegend die kleinen Brennereien, die den Korn mit neuen Produkten aus den unteren Regalen des Supermarktes heraus holen und ihn in edlen Boutiquen für regionale Köstlichkeiten platzieren. Ein Vorreiter unter ihnen ist die Sasse Feinbrennerei, die schon seit über 30 Jahren an die alten Lagertechniken des klaren Brands anknüpft und verschiedene Abfüllungen ihres Lagerkorns anbietet.

 

Ein anderes Traditionshaus musste seinen industriellen Betrieb leider 2001 aufgeben. Doch ein Spross der Brennerdynastie Elmendorf macht jetzt in kleinem Stil in Hamburg weiter und liefert hervorragend gelagerte Kornbrände. Dass man Kornbrände nicht nur an Land, sondern auch wie Aquavit auf dem Wasser lagern kann, zeigt uns der Hochseekorn. Er fahrt im Container für ein halbes Jahr um die Welt. Spannende Story!

 

Cocktail Box

Mach deine Cocktails selbst

Berentzen ist eine der größten Kornbrennereien. Die Destillerie aus dem Emsland geht mit der Zeit und brachte jüngst den Korn2Korn auf den Markt. Ein handwerklich hergestelltes Destillat, das die Familientradition aufgreifen soll.

 

Wer sich nicht zwangsläufig an das Reinheitsgebot von 1909 gebunden fühlt und Wege abseits der vorgeschriebenen Getreidesorten kennen lernen möchte, findet bei der Brennerei Ehringhausen spannende Destillate. Sie brennen für das Getreidedestillat untypisch auch Dinkel.

 

Doch auch völlig neue Marken entstehen im Zuge der Verjüngung des Kornmarktes. Ein Beispiel dafür ist der norddeutsche Nork Doppelkorn. Ein tolles Design spricht vor allem junge Menschen an.

Technische Daten

Fünf Getreidesorten dürfen zu Korn veredelt werden. Dazu zählen Weizen, Roggen, Gerste, Hafer und Buchweizen. Das volle Getreide wird geschrotet und mit Wasser gemischt. Dieser Maische wird anschließend Malz (höchstens 25% des gesamten Getreides) hinzugefügt. Das Malz sorgt für die Umwandlung der Stärke im Getreide in Zucker, der wiederum von Hefen in Alkohol umgewandelt wird. Die Gärung dauert zwischen drei und fünf Tagen.

 

Die vergorene Maische wird mit ihren festen Bestandteilen zumeist in Kolonnen destilliert. Das Brennen mit den festen Bestandteilen ist in der Welt der Spirituosen äußerst selten und verleiht dem Korn seinen charakteristischen Getreidegeschmack. Nach dem Brennvorgang liegt der Alkoholgehalt bei etwa 85%. Der Brand wird mit Wasser auf mindestens 32% vol. eingestellt. Hat das Endprodukt mehr als 38% vol, darf es Doppelkorn genannt werden. Die Produktion von Korn ist nur in deutschsprachigen Ländern zulässig.

 

Korn der neue Trend?

 

Korn muss sich auch nicht mit Vodka oder Whisky messen. Er hat mindestens eine genauso alte Tradition und gehört einfach nach Norddeutschland. Ein drei Jahre lang gereifter Korn kann niemals die Komplexität eines 21 jährigen Single Malts erreichen. Das muss er wie gesagt auch nicht. Er bietet uns die Möglichkeit, ein Stück veredelte Heimat im Glas zu schmecken. Korn wartet mit einem unvergleichbaren Getreidegeschmack auf uns und verleugnet nie, aus welchem Korn er gemacht ist. Puristisch, ehrlich und mit viel Tradition. Und in Zukunft auch wieder mit einer Prise Innovation. Dementsprechend steht dem Korn als nächster Trend nichts im Wege. Ich würde mich freuen! Schade nur, dass man ihn nicht mit Tonic mixen kann.

 

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