Japanese Cocktail – Jerry Thomas‘ Vermächtnis.

Der Japanese Cocktail ist nicht nur geschmacklich ein ganz besonderer Cocktail. Angeblich ist er der einzige Drink im „Bartender’s Guide“, den Jerry Thomas persönlich erfunden hat. Das stellt David Wondrich zumindest in seinem Buch „Imbibe!“ fest. Klingt sehr verrückt, oder?

Hatte Jerry nur den einen?

Ich kann mir das auch nur ganz schwer vorstellen. Aber David wird es wohl wissen. Kaum ein anderer hat sich so viel mit der Geschichte der Cocktails beschäftigt. Trotzdem bleibt die Behauptung befremdlich. Professor Jerry Thomas, der den ganzen Tag nichts anderes als Cocktails im Kopf hatte, schreibt nur einen seiner eigenen Drinks auf? Sicherlich wird er mehr als nur diese eine Idee für ein gutes Rezept gehabt haben.
Wirft man dann allerdings mal einen Blick in den Bartender’s Guide, trifft man auf viele bekannte Drinks. Meistens Varianten von damals gängigen Getränkekategorien wie Sours, Flips, Punches, Cobblers oder Fixes. Es gibt nur wenige Drinks, die nicht in eine dieser Kategorien gehört. Also vielleicht doch nur der Japanese Cocktail als einziges Getränk aus der Feder von Jerry Thomas? Wie auch immer. Der Japanese Cocktail ist ein sehr geiler Drink. Simple aber effektvoll.

Ein einfacher Drink, der mit Komplexität überrascht

Nur drei Zutaten gehören in den Cocktail. Und eine davon dominiert den Drink mengenmäßig ganz gewaltig. Nicht weniger als sechs Zentiliter Brandy kommen laut Rezept von Jerry Thomas in den Drink. Damit ist er von der Wirkung her nicht schwächer als ein Martini oder Manhattan. Am besten macht sich ein guter Cognac in dem Drink. Nimmt man einen zu kräftigen spanischen Brandy, gehen die beiden anderen Zutaten leicht im schokoladig, karamellenem Rosinengeschmack unter.
Ich bevorzuge den Pierre Ferrand Ambre 1er Cru. Für mich ist dieser Brand das beste, was man für wenig Geld aus der Charente bekommen kann. Denn der großartige Cognac kostet um die 35,-€ und kann locker mit doppelt so teuren Produkten mithalten. Ergänzt wird der Weinbrand um einen Barlöffel Orgeat Sirup und zwei Spritzer Bitters. Ein ziemlich simples Rezept, dass mit seiner Einfachheit überzeugt und die Auswahl einer guten Basisspirituose sehr wichtig macht.

Japanese Cocktail Rezept

6 cl Cognac
1 BL Orgeat Sirup (Mandelsirup)
2 Dash Boker’s Bitters
Alle Zutaten in einem Rührglas kalt rühren und in ein Cocktailglas geben. Mit einer Zitronenzeste garnieren.
Zu dem Namen des Drinks gibt es eine spannende Story. Dass der Name wohl kaum etwas mit den Zutaten oder der Herkunft verbindet, liegt auf der Hand. Immerhin waren alle Zutaten schon vor 150 Jahren Standards an der Bar und nichts exotisches. Entstanden ist der Drink auch nicht in Japan, sondern in New York.

Japanische Delegation

1860 besuchte eine japanische Delegation die USA. Am 19. Januar machten sich die Herren in diplomatischer Mission an Bord des Kriegsschiffes Kanrin Maru auf den Weg in die USA. Zum Abschluss ihrer Reise verweilten Sie für einige Tage im Metropolitan Hotel in New York. Das Hotel war nur wenige Straßen von Jerry Thomas Bar entfernt und so kam es zu einem Stelldichein in der Bar am Broadway im Herzen von Manhattan. Zu diesem Anlass kreierte Professor Cocktail den Drink zu Ehren der honorigen Gentleman aus dem Land der aufgehenden Sonne.

 

 

Bildquelle: Flickr / Adrian Scottow

3 Comments

  1. Sigi Späth sagt:

    Interessante Geschichten und Rezepte

  2. […] während der Sommermonate am Meer wieder. Diese Tradition ist so alt wie das Gewerbe selbst. Schon Jerry Thomas, einer der ersten berühmten Barkeeper, machte in der Zeit vor seiner ersten und wichtigen […]

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