Hurricane

Pat O'Brien's

Das Pat O’Brien’s und der Hurricane Cocktail

Wer sich entschließt, sich intensiv mit dem Hurricane Cocktail auseinander zu setzen, sollte zu allererst alles vergessen, was er über diesen vermeintlichen Fancy Drink weiß. Ein Großteil des Wissens über den Hurricane speist sich aus den Zutatenangaben in Barmenüs, die es entweder schon lange nicht mehr gibt oder die diesen Drink entgegen jeglichem Trend immer noch führen. Ich habe noch keine Barkarte gesehen, auf dem der Hurricane dem Originalrezept nahe kommt. Meistens werden die Neuinterpretationen von Sirup und Saft dominiert und haben nur noch den Rum mit der Ausgangsidee gemein.

Scotch nein – Rum ja

Die Idee zu dem Drink entsprang aus einer dekadenten Not heraus. Während des Zweiten Weltkriegs in der Mitte der 1940er Jahre war es für Bars in den Südstaaten schwer, an Scotch oder andere hochwertige Spirituosen aus dem fernen Ausland zu kommen. Die Spirituosenhändler lieferten zu dieser Zeit ihre spärlichen Vorräte an teuren Bränden nur an Kunden, die genügend Umsatz machten. Rum aus der Karibik war in Louisiana in Hülle und Fülle vorhanden, so dass er als Cash Cow herhalten musste. Wer viel Rum kaufte, bekam auch den raren Stoff.

 

Das Pat O’Brien’s in New Orleans und wie der Hurricane Cocktail entstand

Das Pat O’Briens begann während der Prohibition als Speakeasy seine Gäste mit Drinks zu versorgen. Als der Alkoholkonsum und Ausschank 1933 wieder legalisiert wurde, wechselte die Bar ihr Dasein in eine rechtskonforme Trinkeroase. Auch die Lager des Pat O’Briens waren während des Krieges prall mit Rum gefüllt. Um den wieder unters Volk zu bringen, ersannen die Barleute der New Orleanser Bar den rumlastigen Hurricane. In vielen Versuchen ausprobiert und schließlich in der finalen Fassung von jedem Gast geschätzt. Ein Daiquiri mit dunklem Rum, Zitronensaft und dem damals noch äußerst exotischen Passionsfruchtsirup.

 

Die Barleute füllte die nahezu entflammbare Mixtur in Gläser mit der Form einer Petroleumlampe. Diese heißen im Englischen auch hurricane lantern. Durch die Glaswahl kam der puristische Dreiteiler zu seinem Namen. Viele Seeleute schätzten den günstigen Drink und bestellte davon Massen.

Hurricane Cocktail Rezept

10 cl Dunkler Rum

5 cl Zitronensaft

4 cl Passionsfruchtsirup

 

Alle Zutaten in einen Blender mit Eis geben, zehn Sekunden blenden und anschließend in ein Hurricane Glas geben. Mit einer halben Zitronenscheibe und einem Cocktailschirm garnieren.

 

Cocktail Box

Mach deine Cocktails selbst

 

Ja richtig gelesen! Ein Cocktailschirm. Auch wenn die Dinger sicher schon mehrmals zu Grabe getragen wurden, gehören sie an einen Tiki Drink, wie eine Olive in einen Martini. Wer den Maracujasirup selbst macht, findet dafür im Internet oder gut sortierten Reformhäuser 100% Maracujasaft oder-mark. Sicher kann für den Hurricane auch ein Mix aus zwei, drei oder mehr Rums verwendet werden. Doch der Einsatz von einem Blended Black Rum (Goslings, Pampero oder Lemon Hart) macht das überflüssig. Der wurde schließlich schon für den Einsatz im Glas oder Shaker geblendet.

Tiki, Fancy Shit und New Orleans

Der Hurricane schafft es, ein prominenter Vertreter von gleich drei Cocktail Gattungen zu sein. Als erstes ist er einer der bekanntesten Dorfdisco- und Kleinstadt Bar Klassiker, die wir modernen Barkeeper versuchen zu vergessen. Drinks wie der Sex on the Beach oder Bahama Mama zählen ebenfalls dazu. Dabei zeigt uns der Hurricane, wie aus den gut durchdachten exotischen Tiki Cocktails der 1930er bis 1950er Jahre die Saft- und Sirupschlachten der 1980er und 1990er Jahren werden konnten. Aber auch die Sex on the Beachs hatten und haben ihre Berechtigung. Sie sind die logische Konsequenz der Tiki Ära. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war Passionsfruchtsirup oder Ananassaft so exotisch, wie eine Rambutan Frucht es heute ist. Solche Zutaten in einem Drink zu veredeln, war Mixen auf höchsten Niveau. Und genauso innovativ war es dann den immer besser zu erhaltenen Maracujanektar in den 1980er Jahren zu vermixen.

 

Außerdem ist der Hurricane ein Vertreter der Tiki Drinks und gehört auch zu dieser Kategorie. Rum aus der Karibik, exotische Zutaten und eine fancy Optik. Und nicht zuletzt ist der Hurricane ein berühmter Drink aus New Orleans. Er steht damit in einer Reihe mit dem Sazerac, dem Brandy Crusta oder dem Ramos Gin Fizz.

 

1 Comment

  1. […] Als traditionell und klassisch gilt das sogenannte Hurricane-Glas. Dies ist ein hohes Glas, das zudem eine geschwungene und bauchige Form besitzt. Wer Tiki und Fancy Cocktails liebt, sollte dieses Glas unbedingt in seinem Barschrank haben. Seinen Namen hat das Glas vom Gleichnamigen Cocktail aus New Orleans. Für die Story des Hurricane Cocktails und seinem Glas hier klicken. […]

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