Home Cocktials

French 75 Champagner Cocktail

French 75

Der French 75 ist einer der größten Champagner Cocktails. Erfrischend und trotzdem stark. Schmeckt wie eine sehr edle Zitronenlimonade. Doch wer hat ihn erfunden? Oft hört man, es war Harry MacElhone. Das kann man zumindest in vielen Büchern und oft im Internet nachlesen. Ob er wirklich den French 75 ins Leben rief oder ob das wie in so vielen anderen Fällen nicht der Fall ist, wird jetzt geklärt.

War es Harry?

Oft hört man, Harry MacElhone sei der Erfinder des French 75. Manchmal kann man sogar lesen, er habe den Drink genau im Jahre 1915 in der Harry’s New York Bar erfunden. Doch das stimmt leider nicht. 1915 gab es die Harry’s New York Bar noch gar nicht. Sie hieß zu diesem Zeitpunkt einfach New York Bar und Harry selbst diente bis zum Kriegsende 1918 im Royal Naval Air Service.

Harry war es nicht!

Wie bei so vielen Drinks, die dem schottischen Barmann nachgesagt werden, wird bei genauerem Hinsehen schnell klar, dass Harry sie nicht erfunden hat. Jedoch hat er bei einigen dieser Drinks ganz ohne Zweifel dazu beigetragen, dass sie zu großen Klassikern der Bar-Geschichte wurden. Doch die wenigsten davon hat er selbst erfunden.

Er hat es aber auch nie behauptet.

Demnach hat Harry MacElhone selbst nie behauptet, den French 75 erfunden zu haben. Aber eben das, nämlich, dass Harry der Erfinder des berühmten Champagner-Cocktails sei, behauptet zum Beispiel Robert Vermeire in Cocktails – how to mix them aus dem Jahre 1922. So viele Jahre gehen die falschen Vermutungen über die Urheberschaft des Drinks bereits zurück.

Warum man sich außerdem so sicher sein kann, dass der Betreiber der Harry’s New York Bar Paris nicht hinter diesem Drink steckt? Ganz einfach, weil er, als er den Cocktail 1923 das erste Mal niederschreibt, einige wage Worte über dessen Herkunft verlauten lässt. Was er uns in den zwei kurzen Zeilen zum Ursprung verrät, hilft uns auf der Spurensuche nicht sonderlich weiter. Er schreibt, der French 75 oder „75“ Cocktail, wie er noch Anfang der 1920er Jahre heißt, wurde bereits während des ersten Weltkriegs in Frankreich gerne getrunken. Dann verrät er noch etwas zum Namen. Ein Detail, über das sich alle einig sind. Der Name geht zurück auf das legendäre französische Feldgeschütz Canon de 75 mm modèle 1897. Wie der Name zum Drink passt, liegt auf der Hand. Ein Gin Sour wird mit Champagner aufgefüllt. Ganz klar, dass das ordentlich ballert!

French 75 mit Absinth und ohne Champagner?

Doch als Harry 1923 über den „75“ schreibt, meint er damit einen ganz anderen Cocktail, als den, den wir heute unter dem Namen French 75 kennen. Bei Harry werden Gin, Calvados, Grenadine und Zitronensaft gemischt. Also keine Spur von Champagner. Der Champagner im Drink und gleichzeitig auch der Name French 75 habe ich das erste Mal bei Judge Jr.‘s Here’s How gefunden. Er beschreibt 1927 nach meinem Wissen als Erster, den French 75 so, wie wir ihn heute kennen. Kein Absinth oder Grenadine mehr.

French 75 Rezept

4 cl Gin

2 cl Zitronensaft

1 cl Zuckersirup

Alle Zutaten kräftig shaken. In ein gekühltes Champagnerglas geben und mit Champagner auffüllen.

French 75 im Savoy Cocktail Book

Einen ordentlichen Popularitätsschub erfährt der French 75 als Harry Craddock ihm einen Platz im Savoy Cocktail Book zuweist. Das Buch hat viele Barkeeper-Generationen stark beeinflusst. Der Cocktail wurde durch das Buch schnell in den USA beliebt. Vielleicht brachten ihn auch die amerikanischen Soldaten nach dem Frieden von Versailles mit in die Staaten. Besonders gerne getrunken wurde er von der Café Society im Stork Club in Manhattan. Er schaffte es sogar an die Bar von Rick’s Café im Film Casablanca von 1942.

Mal wieder können wir nicht sagen, wer diesen speziellen Cocktail ins Leben rief. Harry MacElhone war es auf jeden Fall nicht. Wenn gleich er dem French 75 zu großer Popularität verhalf. Um dem dunklen Nebel um die Entstehung des French 75 abschließend noch dichter zu machen, nenne ich noch die Anekdote, nach der Charles Dickens schon 1867 in New Orleans einen Tom gin and Champagne cup serviert haben soll. Gin, Champagner und Zitronensaft. Klingt ziemlich genau nach einem French 75. Cheers!

1 Comment

  1. […] der Air Mail im Grunde ein mit Champagner getoppter Sour mit Rum und Honig. Die Verwandtschaft zum French 75 ist nicht zu […]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.