Flaschentreppe

Die Geschichte der Bar

Es war ein langer Weg vom ersten Saloon in den USA bis zur glänzenden deutschen Barkultur. Deutschland gehört mit seinen Bars zur Weltspitze. Wie das Wissen von exzellenten Cocktails und die Fähigkeit, eine gute Bar zu betreiben den Weg aus dem Mutterland des Mixed Drinks ins dröge Bier- und Wirtshausmekka Deutschland fand und welche Hindernisse dabei überwunden werden mussten, davon möchte ich hier berichten.

Die ersten Bars und Saloons in den USA

In vielen Siedlerorten im immer weiterreichenden Westen haben sich bald Krämer und Händler mit eigenen Gemischtwarenladen niedergelassen. Die Geschäftsführer merkten schnell, dass sie mit dem Alkoholverkauf an die Siedler, Cowboys und Farmer ein gutes Geschäft machen konnten und nahmen alkoholische Getränke in ihr Sortiment auf. Um die Waren vor Diebstahl und, was ich viel abenteuerlicher finde, die Verkäufer vor Überfällen der Betrunkenen zu schützen, wurde in vielen Verkaufstellen eine große Holzbarriere installiert. Dieser hölzerne Riegel gibt der Bar bis heute seinen Namen. Die Bar meint ursprünglich den Tresen, an dem die Gäste sitzen, die Getränke zubereitet und ausgegeben werden.

Die Drinks werden anspruchsvoller

Der Weg von den einfachen Verkaufsläden zum Saloon war kein weiter mehr. Und so wurden die Bars und Saloons zu einem gesellschaftlichen Hotspot der kleinen Orte. Wenn hier Anfangs ausschließlich einfache Spirituosen und Bier ausgeschenkt wurden, erlangten einige Storekeeper nach und nach die Fähigkeiten, mit bescheidenen Mitteln die oft sehr starken Gebräue im Mix mit anderen Zutaten geschmacklich abzumildern. Das Wort Cocktail taucht in diesem Zusammenhang das erste Mal zum Ende des 18. Jahrhunderts auf. Schon davor gab es andere Getränkegruppen (Punches, Juleps, usw.), die in Bars, Restaurants und Kneipen angeboten wurden.

Jerry Thomas und sein Erbe

Als Jerry Thomas 1862 das erste Barbuch veröffentlichte, setzte langsam eine Vereinheitlichung der Rezepte ein. Bis dahin hat noch jeder Cowboy und Farmer seinen Drink individuell bestellt, bzw. die Zubereitung war je nach Ort oder Gastgeber unterschiedlich. Dem Beispiel folgten viele weitere Barkeeper und veröffentlichten immer mehr Publikationen zum Thema Bar. Es war plötzlich möglich, in unterschiedlichen Bars, bei der Bestellung des selben Drinks auch eine ähnliche Flüssigkeit zu erhalten.

Die ersten Bars in Us-Metropolen

Schon einige Jahre vorher wurden reine Bars in den Großstädten der USA, vor allem an der Ostküste gegründet. 1851 soll Jerry Thomas in New York seine erste Bar eröffnet haben. Die älteste, heute noch betriebene Bar in New York, Pet’s Tavern wurde 1864 eröffnet. Das waren die ersten Schritte auf dem Weg zu einer großen Barkultur in den USA und schließlich folgend auf der ganzen Welt.

Der Cocktail erreicht ganz langsam Europa

Bei seiner Reise nach Europa 1859 bringt Jerry Thomas die Kunst der Zubereitung alkoholischer Mixgetränke mit nach England und Frankreich. Bis allerdings die ersten Bars auf dem Kontinent entstehen, werden noch 30 Jahre vergehen. Besonders in London und Paris entwickelte sich eine rege Barlandschaft. In Deutschland ging es dann zur Jahrhundertwende mit der Eröffnung der ersten Cocktailbars los.

Die ersten Bars in Deutschland

Die meisten Bars befanden sich noch in Grand Hotels. Eine besondere Stellung nahm dabei Hamburg ein. Die Stadt hatte zu Beginn des 20. Jahrhunderts die größte Bardichte in Deutschland. Schon kurz nach dem Jahrhundertwechsel hatte der cocktailliebende Gast hier die Auswahl zwischen verschiedenen Etablissements. Die beiden Weltkriege brachten dann die weitere Entwicklung der Barkultur in Deutschland komplett zum Stilstand.

Die Prohibition in den USA

Wobei während der Prohibition die deutsche, französische und britische Barlandschaften einen Aufschwung durch die fliehenden US-Exilanten erfuhr. Diese mussten ihr Gewerbe wohl oder übel in Europa ausüben, nachdem der Alkohol in den USA verboten war.

Nach dem Zweiten Weltkrieg

Nach dem zweiten Weltkrieg entwickelte sich erst wieder zaghaft eine Barkultur in Deutschland. Viele Menschen hatten noch bis weit in die 1950er Jahre ganz andere Probleme als sich darüber den Kopf zu zerbrechen, ob der Martini geschüttelt oder gerührt gehört. Obwohl die britischen und US-amerikanischen Besatzer die Entwicklung der Bars vorantrieben und den Betrieb der einen oder anderen Bar sehr lukrativ gestalteten.

Cocktail Box

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Kleine Cocktail Renaissance in den 80er Jahren

1974 eröffnete mit der Harry’s New York Bar in München die erste freie Bar nach dem zweiten Weltkrieg. Ab der Mitte der 1980er Jahre erlebte die Bar in Deutschland einen zaghaften Zuspruch in der breiten Masse. Deutsche erlebten im fernen Ausland bunte exotische Mischgetränke und brachten ihre Erlebnisse mit dem Wunsch nach Wiederholung in die Heimat mit. Die voranschreitende Globalisierung brachte ungewöhnliche Produkte wie Kokosnüsse, Mangos oder Limetten in den Alltag und an die deutschen Bars. US-amerikanische Hotelketten und ihre hauseigenen Bars eröffnete in deutschen Städten. Spätestens der Film „Cocktail“ aus dem Jahr 1989 machte die Cocktail-Bar für viele Deutsche wieder interessant.

Die große Cocktail Renaissance der letzten 15 Jahre

Seit etwa fühnzehn Jahren beschäftigen sich Barkeeper und Cocktail-Nerds überall auf der Welt wieder mehr mit der Geschichte der Bar, den Cocktails, Spirituosen und ungewöhnlichen Arbeitstechniken. Sie wollen verstehen, wo die Cocktails herkommen und wie sie funktionieren. Die Bar und ihre Barkeeper haben sich in dieser Zeit wieder ein gewisses Ansehen in der Gesellschaft erarbeitet. Der Ausschank hochwertiger Mixgetränke in Deutschland ist heute wahrscheinlich populärer als sonst irgendwann zuvor. Und der Zenit dieser Entwicklung ist noch nicht erreicht. Wir können auf die Entwicklung der nächsten Jahren gespannt sein.

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