Bobby Burns Cocktail

Der Bobby Burns Cocktail ist ein Vertreter der Scotch-Cocktail-Gattung. Diese Kategorie ist leider sowohl in Cocktailbüchern und –sammlungen, wie auch auf Barkarten etwas unterrepräsentiert. Für mich aber ganz unverständlich. Ich trinke Scotch gerne pur und genieße ihn auch mit Vorliebe in guten Cocktails.

Scotch Cocktails

Allerdings ist das Vermixen des edlen Tropfens aus Schottland für viele Connaisseur eine frevelhafte Angelegenheit. Für Gäste, die ich gar nicht von einem Scotch-Cocktail überzeugen kann, habe ich den Vergleich mit einem Steak und den dazu gereichten Beilagen und Saucen. Schließlich isst kaum jemand ein tolles Stück Fleisch ohne das ergänzende und genusssteigernde Beiwerk. Das funktioniert selbstredend auch mit dem guten Whisky. Mit der Zugabe anderer Zutaten und der richtigen Kältebehandlung kann man aus dem Getreidebrand noch mehr rausholen und den Pur-Genuss wenigstens für das eine Mal vergessen.

Es gibt also ein paar wenige Scotch-Cocktails, die gelegentlich ihren Weg auf Barkarten finden. Allen voran sicher der Rusty Nail. Gerade in angesagten, modernen Bars findet man dann noch den Blood and Sand. Ganz selten vielleicht noch einen Rob Roy. Der ist benannt nach dem schottischen Volkshelden, den Sir Walter Scott (bekanntester schottischer Dichter) im gleichnamigen Roman auftreten lässt. Ein anderer bekannter Dichter aus Schottland steht Pate für den Namen des Bobby Burns. Die Rede ist von Robert Burns.

Robert Burns

Er wurde 1759 irgendwo im schottischen Nirgendwo geboren und musste früh auf dem kleinen Hof seiner Eltern mit anpacken. Nichts destotrotz legte sein Vater großen Wert auf eine zu damaligen Verhältnissen gute Bildung seines Sohnes. Robert Burns besuchte mehre Schulen und entdeckte seine Zuneigung zur Literatur. Er schrieb schon in frühen Jahren Gedichte und Lieder. 1784 gelang ihm der literarische Durchbruch. Er war nicht mehr von dem geerbten Landwirtschaftsbetriebe abhängig und konnte nach Edinburgh ziehen. Trotz des Erfolgs war sein Leben von wirtschaftlichen Problemen, Alkoholexzessen, Krankheit und unglücklichen Frauengeschichten geprägt und so starb der große Schriftsteller schon im Alter von 37 Jahren.

Der Bobby Burns Cocktail in den Büchern

Welcher Zusammenhang nun schließlich zwischen dem Cocktail und dem Dichter besteht, bleibt im Dunkeln. Simon Difford nennt als Quelle für den Drink das Savoy Cocktail Book (Harry Craddock) von 1930. Das ist auch nicht falsch. Allerdings lässt sich der Drink schon 28 Jahre vorher finden. Nämlich in Fancy Drinks by the Bishop und Babcock Company. Allerdings heißt der Cocktail hier Baby Burns. Wie er dann schließlich bis 1930 zu dem Namen Bobby Burns gekommen ist, ist rätselhaft.

Bobby Burns Rezept nach Craddock:

4,5cl Scotch

4,5cl Italienischer Wermut (rot)

3 Dahes Bénédictine

Alle Zutaten gut verrühren und in ein Cocktailglas geben. Mit einer Zitronenschale garnieren.

 

Whisky Cocktails

 

Robert Burns als Namenspate

Vielleicht hat der Cocktail einfach wegen des Scotchs den Namen zu Ehren des schottischen Dichters verliehen bekommen. Theoretisch hätte Bobby Burns den Drink schon selbst getrunken haben können. Damit wäre er aber einer der ersten Menschen gewesen, die italienischen Wermut in einem mixed drink genossen hätte.  Und das dann noch in Europa und nicht Mutterland der Barkultur – USA? Denn die kommerzielle Produktion des Aperitifweins datiert auf das Jahr 1786. Dass aber ausgerechnet ein in der schottischen Provinz lebenden Schriftsteller ein Vorreiter im Mixen von Wermut-Drinks war, halte ich doch für sehr unwahrscheinlich. Auch wenn es den Bénédictine schon seit gut 500 Jahren geben soll, kann ich mir schwer vorstellen, wie der französische Likör seinen Weg in den Norden der britischen Inseln gefunden haben soll.

Auswahl der Zutaten

Interessant ist das Mischungsverhältnis, wie es 1902 in Fancy Drinks angegeben wird. Hier ist der Anteil von Wermut mit einem Barlöffel viel geringer als 1930. Auch wird auf die Sorte des Wermuts nicht weiter angegeben. Ich bevorzuge allerdings die weniger Starke Variante des Drinks aus dem Savoy Cocktail Book und verwende für den Drink einen guten Blended Scotch. Denn auch der Whisky wird in beiden Büchern nicht weiter erläutert. Wer den Bobby Burns Cocktail etwas aufwerten will, kann auch mit einem Single Malt Whisky arbeiten. Je nach Vorlieben etwas rauchig-torfiges von den Inseln oder aber – so habe ich es gerne – einen cremig weichen Sherry-finished Whisky wie etwa Glen Dronach 12 oder Glenfarclas 1996 Oloroso Sherry Cask.

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