Warum sind Cocktails in Bars eigentlich so teuer? Man trinkt drei Stück davon, freut sich neben dem tollen Geschmack und der coolen Atmosphäre in der Bar über die euphorisierende Wirkung, hat aber so viel Geld wie für ein anständiges Drei-Gänge-Menü in einem guten Restaurant bezahlt.

Den Durchschnittspreis von 11,45€ in Hamburg habe ich als Mittelwert von elf angesagten Bars in Hamburg berechnet. Hier die einzelnen Preise. Ganz interessant, wie weit die auseinander liegen. Woran das liegt, versuche ich weiter unten noch zu klären.

 

The Walrus Bar:                                 10,00€

20 up Skyline Bar:                             11,50€

Atrium Bar im Atlantic Hotel:         14,50€

Luis C. Jacob:                                     12,00€

Jahreszeiten Bar:                               14,50€

Clouds:                                                 12,50€

Ciu Bar:                                               10,00€

Die Bank:                                            13,50€

Brooklyn Burger Bar:                        9,50€

Nox Bar:                                               8,50€

East Yakshi’s Bar                                9,50€

 

Steuern und Wareneinsatz

Aber was bleibt unter dem Strich für den Betreiber einer Bar von den 11,45€ übrig? Die erste Ernüchterung kommt mit der Abfuhr der Umsatzsteuer (Mehrwertsteuer). Zieht man die 19% ab, bleiben noch 9,62€. Als nächstes folgen die Wareneinsatzkosten. Nehmen wir beispielsweise an, der Martini wird wie folgt zubereitet:  7cl Tanqueray, 1cl Noilly Prat, zwei Oliven und 200 Gramm Eis. Ein Liter Tanqueray kostet netto 18,00€ (ca 1,30€ für 7cl), ein Liter Noilly Prat 10,00€ (ca. 0,10€ für 1cl), die Oliven 0,30€, das Eis 0,50€. Das macht zusammen einen Wareneinsatz von 2,20€. Demnach bleiben noch 7,42€. Viele denken, das sei der Gewinn, den ein Gastronom macht. Aber das ist nur der Deckungsbeitrag. Der Gewinn des Betreibers einer Bar offenbart sich am Geschäftsjahresende.

Personalkosten

Der Deckungsbeitrag klingt doch schon mal ganz gut, doch was bleibt davon am Jahresende übrig? Der größte Kostenpunkt ist sehr häufig das Personal. Alle oben gelisteten Bars haben in einer Schicht durchschnittlich mindestens drei Mitarbeiter. Nehmen wir an, ein Mitarbeiter kostet den Arbeitgeber (Bruttogehalt mit Arbeitgeberanteilen an den Sozialversicherungen) 2500,00€. Der Mitarbeiter arbeitet etwa 220 Tage im Jahr (104 Tage Wochenende, 30 Tage Urlaub, 8 Feiertage und drei Kranktage). Das bedeutet, ein Mitarbeiter kostet 137,00€ pro Tage. Das mal drei macht 411,00€ Personalkosten am Tag.

Pacht und andere Fixkosten

Die Pascht oder die Opportunitätskosten für eine Bar beträgt vielleicht 5000,00€ im Durchschnitt pro Monat. Das macht bei sieben Tagen Betrieb in der Woche einen Betrag von 166,67€ pro Tag. Strom, Wasser und Versicherungen sind auch nochmal 30,00€ am Tag. Die vereinfacht berechneten Fixkosten betragen also in Summe: 606,67€ pro Tag. Das ist eine Stange Geld und bedeutet, die Bar muss zuerst 82 Martini Cocktails an einem Abend verkaufen, bevor sie überhaupt die Fixkosten gedeckt hat. Will der Gastronom die Bar renovieren oder ist die Eismaschine defekt, fallen noch mehr Kosten an. Es ist ganz klar, dass die Gastronomen in einem großen Hotel viel mehr Kosten haben, als die kleine Cocktailbar um die Ecke. Meistens ist der Personalaufwand viel höher, die Einrichtung exklusiver und wer einmal die Stromrechnung des Atlantic Hotels gesehen hat, weiß den Luxus der unzähligen Lampen und der imposanten Außenbeleuchtung zu schätzen.

Cocktail Box

Mach deine Cocktails selbst

Auch wenn der Pachtpreis etwas hoch angesetzt ist, sind in meinem Beispiel keine Kosten für den Kapitaldienst berechnet. Wenn der Barbetreiber mal nicht eben 150.000 € aus eigener Tasche investieren konnte, sondern einen Kredit aufnehmen musste. Der will auch ab bezahlt werden.

11,45€ für einen Martini sind also unterm Strich gar nicht so viel. Sicher tut es im Portemonnaie weh, den Preis für eine Kiste Bier aus dem Supermarkt nur für einen Drink zu investieren, aber das Beispiel hat gezeigt, dass die Preise nicht zu hoch sind.

Titelbildquelle: Flickr / Howard Lake

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