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Kurzer Überblick über die Geschichte des Rums

 

Rum gehört zu den großen Spirituosen der Bar. Viele Cocktails werden mit dem Zuckerrohrsaft gemixt und seit einigen Jahren wird er von kundigen Genießern sogar pur getrunken. Wo hat Rum seinen Ursprung, wer hat ihn zuerst gemacht und getrunken? In den folgenden Absätzen will ich einen kleinen Überblick über die Herkunft des Rums und seine untrennbare Verbindung zur Seefahrt geben.

Ausgangsstoff des Rums: Zuckerrohr

Wer die Geschichte des Rums erzählen will, muss beim Ausgangsstoff, dem Zuckerrohr anfangen. Das Zuckerrohr kommt ursprünglich aus dem heutigen Indonesien. Es hat sich über viele Jahrhunderte der Menschheitsgeschichte seinen Weg bis an die Höfe der europäischen Herrscher gebahnt. 1493 war es einer der größten Seefahrer der Geschichte, der dann die in europäischen Gefilden schwer zu kultivierende Pflanze in die Karibik brachte. Christoph Kolumbus brachte bei seiner Reise zu den Bahamas das Zuckerrohr in die Karibik. Das stellte sich als geniale Idee heraus. Die klimatischen Bedingungen in der Karibik sind ausgezeichnet für den Anbau von Zuckerrohr. Heute wissen wir, dass sich Zuckerrohr grundsätzlich im schwül-warmen Klima rund um den Äquator wohl fühlt. Vor 500 Jahren war der erfolgreiche Anbau ein Geschäft, dass viel Profit versprach. Zucker war schon damals sehr begehrt aber bei weitem nicht in den heutigen Maßen verfügbar. Dementsprechend hoch war der Preis.

Ursprung des Rums

Bei der Raffinierung des Rohrzuckers entsteht das Nebenprodukt Melasse. Sie hat noch immer 50 % des Zuckergehalts der ursprünglichen Pflanze und die tolle Eigenschaft, in Kombination mit Wasser und Hefe zu gären. Der so entstandene “Mosto” galt als ideale Ration für die zahllosen Sklaven auf den karibischen Inseln. Sie wurden mit dem Zuckerwein ruhig gestellt und verpflegt. Die berauschende Wirkung blieb den Kolonialisten nicht lange verborgen und so war es kein weiter Weg mehr zur Destillation des Mostos. Die ersten rauen, ungenießbaren Brände waren nach wie vor den verschleppten Zwangsarbeitern vorbehalten.

 

Der Rum, die Royal Navy und Piraten

Der Name Rum taucht erstmals um 1650 auf und bezieht sich auf das Wort “rumbullion”. Das soll soviel wie Aufruhr, Krawall bedeuten. Ungeachtet der scheinbar schlechten Auswirkungen des hochprozentigen Rohrzucker-Derivats entschied sich die British Navy die tägliche leicht verderbliche Bierration gegen den viel besser haltbaren Rum ein zu tauschen. Das ganze ging soweit, dass Matrosen der Royal Navy bis zu einem halben Liter Rum am Tag erhielten. Diese Art der Heuer wurde erst 1970 abgeschafft. Viel Navy Strength Rums erinnern heute noch an diese Tradition. Allen voran der Pusser’s Rum. Auch Piraten sollen schnell den Wert der Spirituose erkannt und sich reichlich mit Rum eingedeckt haben. Dabei fallen Namen wie Sir Francis Drake (der aber auch bekanntlich jeder Alkoholika verfallen war) oder Sir Henry Morgan (besser bekannt als Captain Morgan).

 

Rum überall in der Karibik, Süd- und Mittelamerika

Rum wurde schon im 17. Jahrhundert auf so ziemlich jeder bekannten karibischen Insel und auf dem mittel- und südamerikanischen Festland hergestellt. Die Brände waren zu dieser Zeit meist noch grob und schwer genießbar. Doch die ersten aufwendigen Destillen und der Einsatz von Holzfässern ließen das Exportgut selbst in der alten Welt seine Anhänger finden. Das führte sogar soweit, dass Felipe V von Spanien 1700 die Herstellung und den Export von Rum aus seiner Kolonie Mexiko untersagte.

 

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Der leichte kubanische Stil

Um 1850 stellte die kontinuierliche Brennmethode auch die Karibik auf den Kopf. Facundo Bacardi (und Felice Presto auf Jamaika) gelingt es mit der Patent Still Methode einen leichten Rumstil zu kreieren. Er filtert seinen Rohbrand nach der Destillation zusätzlich durch Holzkohle und erschafft damit einen völlig neuen einfach zu trinkenden Rum. Der kubanische Stil erobert schnell die Herzen der Genießer weltweit. Seine gute Mixbarkeit lässt ihn an den ersten Bars der Welt seinen Platz finden. Spätestens während der Prohibition in den USA wird er zu einer der begehrtesten Spirituosen.

 

Regionale Stile

Trotz der anfänglichen Begeisterung für den neuen leichten Stil, produzieren die Jamaikaner noch immer schwere in Pott Stils destillierte Rums. Sie sind bekannt für ihre dunklen Charakter vollen Rum. Auch die Rummacher der französisch geprägten Karibikinseln bleiben ihrer Tradition treu und stellen ihren Rhum Agricole aus Zuckerrohrsaft her. Dabei entsteht ein frischer nach Zucker und Zitrusfrüchten schmeckender Rum, der es in sich hat. Damit reagierten sie im 19. Jahrhundert auf die Verbreitung der Zuckerrübe in Europa. Der aus den Rüben gewonnene Zucker machte den Handel mit dem Überseezucker überflüssig. Als kein Zucker mehr hergestellt werden musste, fiel auch keine Melasse zum Rumbrennen an. Also entschlossen sich die Destillateure, den Rum gleich aus dem vergorenen Zuckersaft zu brennen.

 

Rum heute

Die Vielfalt des Rums ist heute so groß wie noch nie zuvor. Viele verschiedene Stile buhlen um die Gunst der Connaisseure. So findet etwa das Soleraverfahren aus Andalusien immer häufiger Anwendung. Auch exotische Holzfässer (Marsala- oder Sauternesfässer) werden für die Alterung des Destillats benutzt. Die Zeiten die der Rum im Fass verbringt erreicht dabei nicht selten mehr als 15 Jahre. Mittlerweile wird die Spirituose in vielen Ländern rund um den Äquator produziert. Leider werden Rums immer öfter mit Zuckercouleur gefärbt und sogar mit Zucker gesüßt. Das löste jüngst hitzige Debatten um die Transparenz der Rumherstellung aus. Allerdings gibt es für die meisten Rums keine einheitlichen Bestimmungen und die Überprüfung der Richtigkeit der Angaben auf der Flasche wird oft zur Vertrauenssache.

1 Comment

  1. […] meinen Augen zahlt sich die Ehrlichkeit und das gute Handwerk aus. Der Rum ist trocken und hat eine umwerfende Tiefe. Der Nachhall am Gaumen ist langanhaltend und intensiv. […]

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