Schon im Altertum fanden Nachrichten durch die Luft ihren Weg zum Empfänger. Damals passierte das noch mit Hilfe von Brieftauben. Mit der Erfindung des Heißluftballons wurde die Zustellung der Briefe in menschliche Hand gelegt. Bis schließlich in den 1910er Jahren die Ballone durch Flugzeuge ersetzt wurden. Angeregt durch eine der ersten durch Flugzeuge betriebene Luftpostverbindung  entstand der Air Mail Cocktail. Eine dieser ersten Verbindungen nahm 1930 ihren Dienst zwischen Kuba und dem amerikanischen Festland auf. Sie war die schnellste Möglichkeit für vor der Prohibition geflüchteten Exil-Trinker aus den Staaten ihre daheim gebliebenen Liebsten mit den neuesten Ereignissen aus der El Floridita Bar in Havana vertraut zu machen. Wenn es also schnell gehen sollte, war Air Mail nicht nur auf dem Kuvert geboten. Auch beim Connaisseur schlägt diese Kombination zügig an.

Das Grundgerüst des Air Mail Cocktail

Der Air Mail ist einer der wenigen guten Champagner-Cocktails mit Rum. Der Air Mail und der Old Cuban haben dabei etwas gemeinsam. Ihr Grundgerüst ist das gleiche. Spätestens seit dem Erscheinen von Cocktailian; dem genialen Buch von Helmut Adam, Jens Hasenbein und Bastian Heuser im Jahr 2010 weiß so ziemlich jeder Barkeeper, dass sich alle Drinks – abgesehen vielleicht vom Ramos Gin Fizz und anderen Exoten – im Grundgerüst zu einer bestimmten Kategorie zählen lassen. Also dass der Grundaufbau verschiedener Drinks sich oft ähnelt. Zum Beispiel ist eine Margarita nichts anderes als eine White Lady mit Tequila und der Daiquiri steht dem Whiskey Sour sehr nahe. Damit haben die Autoren die Idee von Gary Regan aufgegriffen und verfeinert, Drinks nach ihrer Grundstruktur zu klassifizieren. Demnach ist der Air Mail im Grunde ein mit Champagner getoppter Sour mit Rum und Honig. Die Verwandtschaft zum French 75 ist nicht zu übersehen.

Verwandtschaft zum French 75

Auffällig dabei ist, dass die beiden Champagner Cocktails etwa zur selben Zeit entstanden. Wobei ich mir ziemlich sicher bin, dass der French 75 der Erstgeborene ist. Ganz einfach deshalb, weil schon 1922 ausführlich über ihn berichtet wird. Dementsprechend liegt es auch nahe, dass der French 75 Pate für den Air Mail stand.Es ist sehr wahrscheinlich, dass ein begeisterter Cocktail-Trinker in Zeiten der Prohibition in Paris einen French 75 genoss und einige Zeit später die Idee mit nach Kuba nahm. Der Air Mail Cocktail wird erstmals 1941 in einem Cocktailbuch erwähnt. W. C. Whitfield wurde 1879 geboren und hat uns zwei Cocktailbücher hinterlassen. Im zweiten mit dem Titel Here’s How listet er den Air Mail. Ausgegraben hat ihn dann 2011 Jim Meehan. Die Listung in seinem PDT Cocktail Book sorgte für mächtig Aufwind und lies den Air Mail wieder richtig abheben.

Air Mail Cocktail Rezept

3 cl Rum

2 cl Limettensaft

1,5 cl Honigsirup (2 Teile Honig mit 1 Teil Wasser mischen)

5 cl

Rum, Limettensaft und Honigsirup kräftig shaken. In ein gekühltes Champagner Glas doppelt abseihen und mit dem Champagner ausfüllen.

 

Douglas Ford hat eine alte Werbebroschüre von Bacardi aus der Mitte der 1930er Jahre gefunden. Das ursprünglich kubanische Unternehmen stellt hier den Air Mail erstmals vor. Natürlich gemixt mit Bacardi Rum. Das kann man auch heute noch gut machen. Allerdings sollte dafür der Bacardi 8 anos den Weg in den Shaker finden. Sowieso für den Preis ein super Rum. Auch im Air Mail macht er eine gute Figur. Nicht zu schwer aber doch die nötige Würze. Die hat der Bacardi Superior leider nicht. Ein anderer weißer Rum kann das schon besser. Ron Elba macht mit seinem frischen Zuckerrohrgeschmack im Zusammenspiel mit dem Honig richtig was her. Auch ältere Rums können im Air Mail Cocktail gut funktionieren.

Cocktail Box

Mach deine Cocktails selbst

Welcher Honig kommt in den Shaker?

Ein leichter Akazienhonig passt gut zum fizzy Champagner und der Limette. Wenn der Honig mehr Geschmack einbringen soll, bietet sich ein kräftiger Heidehonig an. Für alle, die es sehr kubanisch mögen, empfiehlt sich ein Wildblütenhonig aus Guantanamo. Solange die Herkunft nicht abschreckt!

 

Beim Air Mail Cocktail ist es wichtig nicht zu viel Champagner aufzugießen. Wenige >Zentiliter reichen da schon völlig aus. Jim Meehan schlägt drei vor. Ich mag Champagner und würde fünf empfehlen. Wenn es schneller gehen muss, einfach den Champagner-Anteil erhöhen.

 

Titelbild: Flickr/Nicolas Raymond

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.